Dazu kam auch noch, daß die kleine Stube, in welche die beiden schwarzen Männer jetzt traten, schon lange nicht mehr geweißt war.
Anfangs redeten sie vom Börsencours, ohne sich um die übrigen Anwesenden zu kümmern. Nach einiger Zeit brachte Herr Kauser denn doch die Angelegenheit, welche ihn hieher führte, zur Sprache. Apropos, fing er an, wenn Ihr keine Ausstattung gebt, so müßt Ihr doch die Hochzeit ausrichten. »Das werd' ich wohl bleiben lassen,« erwiederte Herr Lund; »wer heirathet, der trägt billig auch die Kosten. Man braucht indeß keinen närrischen Aufwand zu machen. Ein Paar Zeugen, ein Paar Tassen Kaffee, und damit gut.«
Herr Kauser dachte ein Weilchen nach, und erwiederte dann: Nun, es ist freilich, genau überlegt, am Ende gleichviel, ob Ihr die Hochzeit ausrichtet oder nicht. Das heißt, wenn es noch dazu kommt. Ihr wißt meine Bedingung. Wo ist die Tochter? Bei diesen Worten setzte er seine Brille auf die Nase.
Lund dagegen brachte seine Ohren in Bewegung, indem er bald hinter dem einen, bald hinter dem andern kratzte. Das that er aus Verlegenheit und Besorgniß, daß der Handel zurückgehn könne.
Kauser fing wieder an: Ist sie schön, und putzt sich gern, so nehm ich sie nicht. Dabei müßte ich mir den Schlag an den Hals ärgern. Ist sie das hier? Hm – nun, es geht damit noch an. Mir wollte Jemand sagen, sie wäre schön. So arg ist es damit eben nicht. Nach ihrem Anzug scheint sie auch eine gute Wirthin zu seyn. Nun ja – ich lass' es mir gefallen.
Philippine, die erst heimlich darüber seufzte, daß sie keine Mühe angewandt hätte, reitzend zu erscheinen, fuhr bei den letzten Worten zusammen, als ergriffe sie ein Fieberfrost. Sie hatte jedoch, seitdem Herr Kauser ins Zimmer trat, nichts anderes empfunden als eine Reihe von kalten Fieberschauern. Der zugewiesene Geliebte war schindeldürr, hatte ein erdgelbes, vielgefaltetes Gesicht, eine lange dünne Habichtsnase, ein spitzes Kinn, und ein Paar weitgeöffnete gelbbraune Augen, die gewöhnlich zwar sehr matt aussahen, aber doch von einem gewissen Isegrimmsfeuer loderten, wenn ein Affekt sie anregte. Die schwarze Kleidung war ihnen günstig; ihr Leuchten trat nunmehr heraus.
Bon jour, Mamsell, krächzte jetzt erst der Prüfende. Ich denke, wir wollen uns schon mit einander vertragen. Werden Sie eine gute Frau seyn, so bin ich ein guter Mann. So viel sag' ich Ihnen aber vorher, spaßen lass' ich mit mir nicht. Servitör, Madam Lund!
Jetzt wandte er sich halb um, auf's Neue mit dem Vater des Mädchens zu sprechen, der jetzt viel leichter athmete, weil sich kein Hinderniß gezeigt hatte. Nun sah die Braut Herrn Kauser, der seine Brille, nach vollendeter Prüfung, wieder abnahm, von der Seite. Dies hatte sein Vortheilhaftes für die convexe Nase und das concave Kinn. Der Zufall ließ aber dem Profil der Gestalt noch einige malerische Ergänzungen angedeihen, welche der Fantasie der Braut ungemein zu Hülfe kamen. Die weitgeöffneten Augen hatten bei ihr den Effekt eines abgebildeten weitgeöffneten Höllenschlundes gethan. Die Wirkung des Profils entsprach jener Illusion, nur daß sie vom Reich zu dem Regenten überging. Das sollte nun der Fantasie noch über alle Erwartung leicht gemacht werden. Der Bräutigam hatte pechfarbne, mit grau durchmengte, struppige Haare, an deren Verschneidung lange nicht gedacht war. Nun sträubten sich am Scheitel zwei gekrümmte, spitz auslaufende Borsten auf, die, von der Seite gesehn, zwei mäßigen Hörnern glichen. Kauser hatte sich aber in den etwas kurzen Trauermantel dergestalt gewickelt, daß er sich bis nahe an die Mitte des Leibes heraufzog. Und weil er darunter seinen Hut einklemmte, so fügte es sich, daß eine Ecke desselben hinterwärts vorblickte, und zugleich einen rheinländischen Fuß lang den schwarzen Flor niederwallen ließ. Nichts konnte lebhafter an den Schweif erinnern, von dem man nicht weiß, ob ihn Lucifer wirklich hat, oder ob ihn die Maler nur freigebig damit beschenken.
Philippine war indeß nun vom Grausen übermannt, sank ihrer Mutter halb ohnmächtig in die Arme, und rief zugleich, mit Wehmuth und Entsetzen zu gleichen Theilen in ihrer Stimme: Hu, der Teufel leibhaftig!
Herrn Kauser gefiel das Compliment freilich schlecht, und Herr Lund wallte in dem grimmigsten Zorn darüber auf. Was Teufel, rief er, schickt es sich für eine Braut, den Bräutigam Teufel zu nennen? Daß ich Dir nicht mit der flachen Hand an das gottlose Maul komme! Du solltest wirklich meinen, der Teufel wär' es!