Er ging, und der Bräutigam wandte sich unterdessen an Philippinen. Mamsell, sagte er, glauben Sie nicht etwa, daß ich so einfältig bin, Ihnen nicht in's Herz zu sehn. Es ist nur Verstellung und Ziererei. Sie heirathen für Ihr Leben gern, sind froh, daß ich gekommen bin. Man kennt die Jüngferchen, sie machen's alle so. Meine selige Frau wollte auch durchaus nicht, der Vater mußte Gewalt brauchen. Aber sie widersetzte sich nur zum Schein; die Gewalt wäre gar nicht nöthig gewesen. Aergern Sie doch Ihren Vater nicht unnützer Weise. Sie stellen sich, als wollten Sie das nicht, was Ihnen doch sehr lieb ist.

Lund fand sich wieder ein; Ketter folgte. Hier ist ein Zeuge, fing Jener an; nun kein Sperren mehr, Jungfer Naseweis! Hingegangen zu Herrn Kauser, gesagt: lieber Bräutigam, ich freue mich, daß ich die Ehre haben soll, Ihre Frau zu werden. Dann ein Küßchen in Ehren gegeben. Allons, wie lange währt's?

Ketter staunte. Herr Lund, rief er, um Gottes willen! was denken Sie zu thun!

Mit großen Augen fragte dieser: Wa ... wa ... wa ... was ist das?

»Sie könnten Ihre liebenswürdige Tochter so hinopfern?«

Wa ... wa ... was geht Sie das an, junger Herr? Zeugen sollen Sie, die Ohren brauchen, nicht den Mund. Wie kann sich auch der Buchhalter unterstehn, seines Principals Verfahren zu tadeln! Da soll ja ...

»Wie unedel muß ein Mann fühlen, der nicht allein an eben dem Tage, an welchem er die vorige Gattin begraben hat, sich abermal versprechen will, sondern auch ein Mädchen, das Grauen vor ihm einer Ohnmacht nahe bringt, durch Zwang an sich gefesselt kann sehn wollen!«

Ich sage Ihnen meinen Dienst auf! – Herr Kauser rief: Und dann muß es an der Börse öffentlich gesagt, ja selbst den Handelsfreunden weit umher geschrieben werden: daß er widerspenstig gegen seinen Principal gewesen ist, einen soliden angesehenen Kaufmann, dem er Respekt schuldig war, mit himmelschreiend unehrerbietigen Worten beleidigt hat. An keinem Orte muß er wieder eine Condition finden! Aber die Zeit vergeht. Macht fort, Lund!

Der junge Mann rief: »Weigern Sie sich Philippine! Es gilt das Glück Ihres Lebens. Die Gesetze berechtigen Sie, da Ihren Gehorsam zu versagen, wo man Sie zwingen will, in Ihr Verderben zu gehn!«

Philippine hatte mehr Muth, seitdem Ketter eingetreten war. Feierlich schwör ich, sagte sie, daß ich diesem Mann nie meine Hand geben werde, und sollte ich darüber auch untergehn.