Frau Lund küßte ihre Tochter, billigte, was sie gesagt hatte, und versprach ihren Beistand nach allen Kräften.

Nun liefen die beiden Schwarzen in blindem Zorn mit den Köpfen an einander, und wurden durch den Schmerz noch wilder. Kauser trat mit eingestemmten Armen vor Philippinen hin, und sah ihr mit so strafenden und drohenden Blicken ins Gesicht, daß selbst die Tapferkeit davor hätte zittern mögen. Zu Worten gelangte sein Grimm dagegen nicht; Lunds Flüche hätten sie auch übertäubt.

Seitdem ihm Ketters kluge Thätigkeit wichtige Vortheile gebracht, hatte Lund das Er doch in eine höflichere Anrede umgeändert, weil er meinte, das Sie koste ja nichts, und der junge Mann könne es anstatt einer Gehaltszulage in Empfang nehmen. Jetzt aber rief er die Anrede mit Er zurück, nachdem schon Flüche vorhergegangen waren. Er packte den jungen Mann zugleich an der Brust, und schrie: Bu – bu – Bursche! Er will meine Tochter zum Ungehorsam verleiten? Wa – wa – was geht meine Tochter Ihn an?

Kaltblütig hielt Jener ihn ab, und sagte: Viel geht sie mich an. Ich sage muthig, daß ich Philippinen liebe. Zuerst sah ich sie in der Kirche, wo ihre Schönheit mich bezauberte. Ich wünschte, ihr nahe zu seyn, um mir ihre Gegenliebe erwerben zu können. Darum kam ich in Ihr Haus, fügte mich in jede Ihrer wunderlichen Launen, suchte durch Redlichkeit und Fleiß meines Principals Wohlwollen zu verdienen. Schon manchen Jünglingen gelang unter solchen Umständen endlich, was sie Anfangs nimmer hoffen durften. Ich machte einen ähnlichen Entwurf, ob mich schon nicht Philippinens Reichthum, sondern ihre Liebenswürdigkeit angezogen hatte. Daher bediente ich mich einer List, doch keiner Arglist, sondern einer schuldlosen, auch dem Redlichen erlaubten. Geben Sie mir Philippinen ohne alle Ausstattung. Ganz so unbemittelt, wie ich es vorgab, bin ich nicht, und traue mir hinreichende Geschicklichkeit zu, eine Frau zu ernähren.

Philippine rief: Auch ich gestehe freimüthig, daß ich ihn liebe.

Die beiden Schwarzen geberdeten sich, als wollten sie mit den Köpfen gegen die Wände laufen, Wände und Köpfe zugleich einstoßen. Doch besannen sie sich noch, und sprachen in dem heftigsten Zorne, beide zugleich. Herr Lund rief zitternd: Also hat Er sich wie ein Betrieger in mein Haus geschlichen, und obenein mir die Tochter verführt! Nicht genug, solchen Bösewicht fortzujagen; verhaften, einstecken lassen muß man ihn. Ich will auf der Stelle zu dem Polizeiamt!

Er klemmte seinen Trauermantel in die Thür, als er beim Weggehn sie hinter sich zuwarf, und ließ ihn, wie Joseph, lieber fahren, als daß er noch zaudern mochte.

Herr Kauser hatte mit ihm zugleich gesprochen: O, wenn es hier noch einen jungen Wildfang giebt, der einem soliden Geschäftsmann böse Tücke spielen könnte; wenn das Jüngferchen obenein in ihn vernarrt ist, so kann ich mich bei einem vorläufigen Versprechen nicht beruhigen. Ich hole einen Notar; gleich Schwarz auf Weiß, unterzeichnet und gehörig besiegelt.

Er ging auch, blieb aber in den Mantel gewickelt; und dies kam ihm zu Statten, wie man sogleich hören wird.

Nie, seitdem er lebte, hatte sich Lund so heftig geärgert, wie diesen Abend. Der Zorn hatte auch seinen ganzen Körper in den stärksten Schweiß gesetzt. In seiner blinden Wuth hatte er gar nicht bedacht, was jetzt das Klügste sei. Ihm, einem guten Rechner, mußte jeder Strich durch die Rechnung ein Dorn im Auge seyn. Der heutige lange aber brachte ihn fast ganz von Sinnen.