Der Buchhalter ging ins Comptoir; die Frauenzimmer blieben, und weinten ihre schmerzlichen Thränen fort.

Da eilte, ehe noch der Tragsessel vor dem Hause war, jener Chirurgus herein. Erschrecken Sie nicht, Madame, fing er an; ich bringe eine üble Nachricht. Herrn Lund hat der Schlag gerührt. Er ist ohne alle Besinnung, und – fassen Sie sich – es ist keine Hülfe mehr.

Mutter und Tochter erschraken in der That sehr heftig; doch ihre Thränen hörten sogleich auf zu fließen. Ist es möglich? rief Frau Lund; ist es möglich?

Man trug den Sterbenden bereits in die Hausthür. Die Gattin eilte ihm entgegen, und wußte nicht, ob sie den eignen Augen trauen sollte. Doch that sie nach Pflicht und Gewissen, was nöthig schien. Der Kranke wurde in das Schlafzimmer gebracht, der nassen Kleidung entledigt, und in das gewärmte Bett gelegt. Der Chirurgus öffnete zwei Adern, sagte aber voraus, daß es unnütz seyn würde. Frau Lund befahl, daß noch ein Arzt geholt werden sollte, der berühmteste in der Stadt.

Bis er kam, beschäftigte der Chirurgus sich mit andern Rettungsmitteln. Philippine, die ungemein verstört in die Küche geeilt war, half dem Mädchen Thee bereiten und Steine wärmen. Von Zeit zu Zeit kam Frau Lund zu ihr, und sagte: Er bleibt dabei, daß keine Hülfe ist. Wir müssen aber doch nichts versäumen, daß wir uns nichts vorzuwerfen haben.

Philippine erwiederte jedes Mal: Freilich müssen wir das; sonst behielten wir ja kein gutes Gewissen.

Der berühmte Arzt kam endlich, fand hier aber keine Gelegenheit mehr, noch berühmter zu werden. Lunds Gesicht war zur Hälfte blau; nur selten vernahm man ein Röcheln, und der Puls war kaum noch zu finden.

Ist noch Hoffnung, Herr Doktor? fragte Frau Lund.

Nur einige Minuten kann es noch währen, antwortete der Arzt, nach einem bedauernden Achselzucken.

Frau Lund eilte wieder in die Küche, und schlug die Hände zusammen. Es ist bald aus, sagte sie; ich hätte es nie gedacht. Nun soll ich ihn doch überleben. Da sieht man: unverhofft kömmt doch oft!