Lisuart unterbrach ihn mit Betheurungen: er würde nie einem andern Mädchen seine Hand geben können. –

Possen! sagte der Vater wieder; so reden alle junge Leute, und die Umstände ändern viel. Nichts mehr davon! kömmt Zeit, kömmt Rath.

Lisuart mußte wieder nach Jena. Seine Poesien machten bei Kennern Aufsehn, und sie riethen ihm, eine Auswahl davon drucken zu lassen. Es geschah endlich, doch so, daß er auf dem Titel nur seinen Vornamen nannte. Die an Luise überschriebenen Gedichte athmeten das meiste und stärkste Feuer.

Doch jetzt, im Jahr 1813, loderte auch das Kriegsfeuer in Deutschland auf. Lisuart meinte, die politische Rolle des Königs von Sachsen wäre nur gezwungen; und, obschon dessen Unterthan, beschloß er doch in preussische Dienste zu gehn, um gegen Deutschlands Unterdrücker zu kämpfen. Er bat seinen Vater um Erlaubniß dazu, und dieser sagte: Thue, was Du willst; ich mag nichts davon wissen. Gieb Dir aber lieber einen andern Namen, daß es nicht heißen kann: Du habest gegen Dein sächsisches Vaterland gestritten.

Lisuart ging nach Berlin, gab sich für einen Herrn von Breitenfeld aus, und bekam eine Lieutenantsstelle bei einem neu errichteten Corps von leichter Reiterei.

Nichts von den Kriegsauftritten, denen er beiwohnte, außer, daß er durch seine Tapferkeit bald Rittmeister wurde.

Als nach der Schlacht bei Leipzig Napoleons Flüchtlinge verfolgt wurden, und man sie theils zu ereilen, theils ihnen in die Seite zu kommen suchte, gehörte Lisuarts Corps zu denen, welche am thätigsten waren.

Im Hessischen machte er eines Tages eine Seitenpatrulle, und traf auf eine Anzahl abgeschnittener französischer Husaren, die so eben einen Reisewagen plünderten. Ein Landedelmann der dortigen Gegend wollte darin mit seiner Tochter fliehn, und hatte das Unglück, in die Hände jener Unholden zu fallen, welche übrigens auch die Tochter reitzend fanden, und geneigt schienen, sie für eine gute Beute zu erklären.

Lisuart, obgleich seine Mannschaft nur halb so stark war, stürzte sich in die Feinde, und so entstand ein hartnäckiger Kampf. Die Preußen siegten; ihren Rittmeister traf aber ein Säbelhieb in den Kopf, der ihn um alle Besinnung brachte.

Man gab dem Edelmann das ihm Gehörende zurück, und hoch erfreut, die Ehre seiner Tochter gerettet zu sehn, dachte er durch die beste Verpflegung der Verwundeten seine Dankbarkeit zu beweisen. Man versicherte ihm, daß er nun nicht zu fliehen brauchte, weil die befreundeten Truppen schon nahe wären. So entschloß er sich denn, nach seinem Dorfe zurückzukehren, und nahm den halb todten Rittmeister in seinem Wagen mit sich, dem ein Feldarzt, der sich glücklicher Weise gefunden, sogleich den ersten Verband um den Kopf gelegt hatte.