»Laß dir von Williswinde einen Becher bringen und setze dich zu uns,« sagte Hans. »Kannst mir auch ein wenig helfen, denn allein werde ich mit diesem jungen Hebräer kaum fertig. Sieh nur, wie er mich schon in die Enge getrieben hat!«
Die sehr hübsche junge Zofe, die sich Hans zu seiner Aufwartung erkoren hatte, brachte einen Becher, und Ernst nahm als Dritter Platz an dem Tische, auf welchem schon ein Krug und zwei Becher standen. Um die Spielenden nicht zu stören, unterdrückte er die Frage, wie sich die beiden zusammengefunden hatten, und betrachtete sich das Spiel. Dieses stand nicht gut für Hans, denn er hatte schon mehr Figuren eingebüßt, als sein Gegner. Tiefe Stille herrschte im Gemach, niemand sprach. Als sich aber Josephine einmal sehr lange besann, ehe sie zog, sagte Hans, der sein Wams abgestreift hatte: »Uff! mir wird es immer heißer, und diesem Jüngling da scheint es noch so kühl zu sein, daß er nicht einmal seinen langen Rock ausziehen will, hier unter uns Männern.«
Josephine wagte nicht, Ernst anzusehen, der allein den Grund ihrer Weigerung kannte. Er erwiderte dem Oheim: »Es ist ein Gewitter im Anzuge, daher die Schwüle, aber Joseph geht immer in dieser Tracht.«
Jetzt tat Josephine ihren Zug mit einem Läufer; doch es war kein glücklicher.
Mit seinem Springer schlug Hans den Läufer und sprach dabei:
»Der Bischof komme nie dem Ritter ins Gehege,
Weltliches Schwert weist geistlichem die Wege.
Das war während des ganzen Spiels der erste falsche Zug, den du getan hast,« setzte er hinzu.
Es schien in der Tat, als ob Josephine dem Spiele nicht mehr ihre ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit zuwendete, seit Ernst hinzugekommen war. Sie sah öfter zu ihm auf, statt das Brett im Auge zu behalten. Ernst ermahnte sie: »Gib acht, Joseph! merkst du nicht, wie Junker Hans deiner Königin immer schärfer zu Leibe geht?«
»Laßt ihn nur!« sagte Hans, »er spielt besser als du.«