»Nein, Ohm! wir müssen aufbrechen,« sprach Ernst entschieden, »wir können nicht hierbleiben. Joseph, bist du nicht auch der Meinung?«
Josephine bewegte die Lippen, aber die Stimme versagte ihr. Nur ein heißer Blick aus ihren Augen gab dem Frager eine stumme Antwort, über deren Sinn ihm kein Zweifel blieb.
»Was soll denn das heißen?« frug Hans, über Ernsts hartnäckige Weigerung aufgebracht. »Du bist ja um diesen kraftvollen Jüngling ungemein besorgt. Ist er denn nicht sicher genug in meiner Burg, zumal unter deiner Obhut? was kann ihm denn hier geschehen?«
Da trat Ernst dicht an seinen Oheim heran und flüsterte ihm ins Ohr: »Dränge mich nicht weiter; ich schlafe mit einem Juden nicht in einem Bette!«
Josephine fuhr zusammen; ihr scharfes Gehör hatte Ernsts Worte vernommen und verstanden.
»Ja so!« sagte Hans. »Das ist etwas anderes; daran hatte ich freilich nicht gedacht,« fügte er mit einem mißbilligenden Blick hinzu. »Seit wann bist du denn so bedenklich?«
Ernst schwieg. Er hatte in einem harten Kampfe sich selbst besiegt und war doch seines Sieges wenig froh.
Josephine stand tief atmend mit niedergeschlagenen Wimpern. In ihrem bleich gewordenen Gesicht zuckte es wie von einem schwer verbissenen Schmerz.
»So macht, daß ihr fortkommt!« sprach Hans verstimmt. »Den Weg wirst du ja finden, oder willst du eine Fackel, daß sich dein Schützling, den du so zärtlich bemutterst, mit dem Fuß an kein Steinchen stößt?«
»Ich kenne den Weg gut genug,« entgegnete Ernst. »Gute Nacht, Ohm!«