»Wenn wir Nachmittag reiten, können wir noch einmal hinüber und die Eier zu heute bestellen,« meinte Sidonie.

»Heute wird nicht geritten!« entschied die Zürnende kurz und bündig.

»Das ist mir lieb! Ich wollte Euch schon bitten, mich heute damit zu verschonen,« sprach Sidonie, von allen die leidenschaftlichste, unermüdlichste Reiterin.

»Warum?« frug Juliane.

»Um bei Euch zu bleiben und mich ein paar Stunden lang tüchtig auszanken zu lassen,« lächelte Sidonie. »Ihr versteht das wunderbar schön, Frau Juliane! Dann gehe ich zerknirscht in mich und tue Buße und bessere mich, und dann fühl' ich mich frei und froh, als wär' ich zur Beichte gewesen und aller meiner Sünden ledig.«

»Um wieder neue zu begehen,« mußte nun auch Juliane lachen. »O du nichtsnutziger Schalk von einem Mädchen! wenn du nicht hier wärst, wäre die Minneburg von oben bis unten mit aschgrauen Spinnweben überzogen.«

»Ich fege sie nicht aus, Frau Juliane!« rief Sidonie frohlockend.

»Die in den Mauerecken nicht; aber die einem in Kopf und Herzen nisten, die bläst dein loses Spottmäulchen hinaus wie der Morgenwind die Nebel aus dem Tale.« Sie reichte der Besiegerin ihres Unmuts mit einem fröhlichen Blicke die Hand, und im Palas war wieder einmal heller Sonnenschein. –

Am Nachmittage saß Juliane mit der nur langsam fortschreitenden Stickerei wieder einsam in ihrem Erker, weil es innerhalb der dicken Steinwände kühler war als draußen im Freien.