Juliane fuhr unwillig auf. »Sidonie! worein mischest du dich?« sprach sie, ihre Arbeit schnell in den Schoß sinken lassend, mit gefurchten Brauen.
»Ruhig, liebe Freundin!« suchte Sidonie sie zu besänftigen, ihre Hand auf die Hand Julianens legend. »Es ist zu Eurem Besten, was ich Euch rate. Ich sehe es mit offenen Augen, wie Euch diese Zwietracht erregt und das Leben verbittert. Ihr sitzt hier abgeschlossen und einsam auf Eurer Burg und wagt nicht einmal, Eure Nachbarn und guten Freunde zu besuchen, aus Furcht, Ihr könntet bei ihnen einem der Landschaden begegnen. Das muß anders werden, und jetzt habt Ihr die beste Gelegenheit, dem alten Streit ein Ende zu machen, ohne daß Ihr Euch das geringste dabei vergebt.«
»Ich vergebe mir schon etwas, wenn ich auch nur die kleinste Gefälligkeit von den Landschaden annehme und mich ihnen dadurch zu Dank verpflichte,« entgegnete Juliane.
»So müßt Ihr es nicht ansehen,« sprach Sidonie. »Sie sind es doch, die Euch die Hand zur Versöhnung bieten. Ihr braucht nur einzuschlagen, braucht ihnen nur einen Finger zu reichen, und alles wird sich leicht und glücklich lösen.«
»Wenn es ihnen Ernst damit wäre, so wären sie wiedergekommen und hätten mir andere Bedingungen gestellt,« antwortete Juliane.
»Sie warten auf eine Botschaft von Euch.«
»Da können sie lange warten!«
»Laßt Euch erweichen, Juliane!« redete ihr Sidonie zu. »Ihr habt ein Recht auf die Entpfändung des Waldes; bietet ihnen die volle Summe der Schuld und verlangt den Wald zurück, ohne Einschränkung, mitsamt dem Wildbann.«
»Damit wäre ich einverstanden, aber das wollen sie ja nicht.«