»Ihr habt das noch nicht versucht,« sagte Sidonie.
»Du kannst dich nicht in meine Lage hineindenken,« erwiderte Juliane. »Sie würden glauben, es wäre mir wundergroß um ihre Freundschaft zu tun.«
»Nach dem Empfange, den die beiden Junker neulich hier gefunden haben, werden sie schwerlich auf den Gedanken kommen,« versetzte Sidonie.
»Habe ich sie denn etwa unfreundlich behandelt?«
»Man sollt' es meinen!« lachte Sidonie. »Mir lief es manchmal heiß und kalt über bei dem, was Ihr ihnen anzuhören gabt. Wie herb und abstoßend wart Ihr auch gegen Ernst, der doch an dem Zerwürfnis so unschuldig ist wie ich!«
»Er ist auch ein Landschad!«
»Aber ein echt ritterlicher, höfisch erzogener Junker von gar feinem Benehmen und adligem Sinn, immer heiter, immer liebenswürdig und gefällig.«
»Du sprichst ja sehr warm für deinen Vetter Ernst!«
»Und das mit allem Fug!« bekräftigte Sidonie. »Jeder Mensch kann verlangen, daß man seine Vorzüge anerkennt und seine Tugenden rühmt, und an Ernst Landschad ist vieles zu rühmen.«
»Sidonie!« rief Juliane, und ihr Gesicht klärte sich plötzlich hell auf, »jetzt weiß ich, warum ich mit den Landschaden Frieden machen soll.«