»Wirklich? hab' ich Euch überzeugt?« frohlockte Sidonie.

»Ja, du hast mich überzeugt,« lachte Juliane. »Sidonie, du liebst Ernst! Ich soll ihnen Botschaft senden, damit sie wiederkommen und du ihn wiedersiehst. Und während ich mit Junker Hans um den Wildbann im Walde handle und feilsche, willst du Ernst in den Bann deines Herzens locken, falls er nicht schon darin ist, wie du in dem seinen.«

Sidonie war starr und zugleich innerlich auf's höchste belustigt über diesen köstlichen Mißgriff der älteren Freundin, den sie sofort zugunsten ihres Zweckes auszubeuten beschloß. Sie suchte deshalb ihre Antwort so einzurichten, daß sie nichts leugnete und nichts eingestand. Wer doch jetzt ein wenig erröten könnte! dachte sie, hatte aber den Farbenwechsel leider nicht in ihrer Gewalt.

»Nicht an mich habe ich dabei gedacht, sondern nur an Euch,« erwiderte sie ausweichend und mit einem gut gespielten verschämten Lächeln die Augen niederschlagend. »Wenn ich Euch aber zu einer Einigung mit den Landschaden von Nutzen sein kann, so bin ich gern bereit, meinen Einfluß, soweit er reicht, dabei geltend zu machen.«

»Du tätest wohl gar eine Fürbitte für mich bei Junker Ernst, daß er seinen Ohm Hans für mich gütig stimmt?« spöttelte Juliane.

»Wenn's nötig wäre, warum nicht?« lachte Sidonie; »aber dessen bedarf es nicht; Euer Wort wiegt schwerer als meines.«

Juliane sann einen Augenblick nach. Die Entdeckung, die sie soeben gemacht zu haben glaubte, und noch mehr Sidoniens Angriff auf ihre bisher den Landschaden gegenüber angenommene Haltung waren ihr durchaus nicht unwillkommen. Wenn sie jetzt nachgab und den sich um ihre Gunst Bemühenden die Wege glättete, so tat sie es nicht aus eigenem Antrieb und in einer sie bloßstellenden Weise, als bereute sie ihre frühere Ablehnung und strebte nun selber nach einer Aussöhnung, sondern dann geschah es aus Mitleid mit einem verliebten Mädchen, und weil sie zu einem Schritte überredet worden war, welchen zu tun ihr im Grunde willfähriges Herz nur auf einen Anstoß von außen gewartet hatte.

»Sidonie,« sagte sie, »ich möchte dir alles zuliebe tun, was ich vermag; aber daß ich die Verhandlung, die Junker Hans so kurzer Hand abbrach, nun meinerseits wieder anknüpfen soll, das ist ein Verlangen –«