»Er ersuchte Euch ja so freundlich darum, ihm Eure Entscheidung mitteilen zu lassen,« fiel ihr Sidonie schnell ins Wort, »und Ernst erbot sich so zuvorkommend, sie hier von Euch selber in Empfang nehmen zu wollen, daß Ihr schon aus Rücksichten der Höflichkeit gar nicht anders könnt, als die Junker zu einem zweiten Besuche hierher einzuladen.«

»Ich wüßte noch ein anderes Mittel, wie du dich mit Ernst bald wiedersehen könntest,« lächelte Juliane.

»Und das wäre?« frug Sidonie.

»Wenn du die Botschaft übernähmest, nach Neckarsteinach zu Herrn Bligger rittest und ihm meine Bedingungen überbrächtest. Willst du das tun?«

»Mit tausend Freuden!« jubelte Sidonie. »Morgen früh reite ich, und Richilde darf mich begleiten, nicht wahr?«

»Unter keinen Umständen!« erwiderte Juliane, »wo denkst du hin?! meine Tochter ungeladen in die Burg unserer Feinde? nimmermehr!«

»Es machte doch gleich einen viel besseren Eindruck,« sagte Sidonie, »und zeigte von einer besonderen Freundlichkeit gegen die beiden Frauen, wenn Richilde mitkäme als holde Vermittlerin im Ausgleich eines Zwistes, an dem sie selber keine Schuld und keinen Anteil hat. Sie würde dort sicher mit offenen Armen aufgenommen werden, und damit wäre die Versöhnung von euch allen samt und sonders so gut wie besiegelt.«

»Nein, das geschieht nicht,« erklärte Juliane. »Das wäre des Entgegenkommens doch zuviel; es ist schon alles mögliche, daß du als Botin von der Minneburg hinüberreitest, was ich auch mehr dir zuliebe vorschlug, als – als aus irgendeinem anderen Grunde.«

»Nun, ich hoffe, das überlegt Ihr Euch noch bis morgen,« sprach Sidonie.

»Nein, darin machst du mich nicht wankend,« erwiderte Juliane. »Richilde mitten unter den Landschaden –«