»– wäre ihres Lebens keinen Augenblick sicher,« lachte Sidonie. »Nun, ich hafte für sie mit meinem Kopfe!«
»Siehe du zu, wie du den eigenen oben behältst; das Herz ist dir schon entwendet,« sagte Juliane.
»Seid ohne Sorge,« sprach Sidonie; »mit klarem Kopf und festem Herzen werde ich Ohm Bligger Eure Bedingungen kundgeben, das heißt, daß Ihr ihm das volle Lösegeld bietet und dafür den Wald von ihm zurückverlangt, ohne ihm auch nur einen Reiherschwanz, geschweige den ganzen Wildbann darin zu lassen. Ist's recht so?«
»Ja! Du mußt aber deinen Verwandten auch nicht verhehlen, daß ich mich nur auf dein dringendes, unablässiges Zureden entschlossen habe, ihnen Botschaft zu senden.«
»Nur auf mein kniefälliges Bitten und Flehen, das versteht sich!« lächelte Sidonie. »Aber wenn sie nun erklären, daß sie das mit Euch selber in Rück und Schick bringen und darum doch wieder herkommen müßten – ich meine die Junker Hans und Ernst, – dann darf ich sie doch in Eurem Namen willkommen heißen?«
»Willkommen heißen ist nicht gerade nötig,« erwiderte Juliane nicht ohne sichtliche Verlegenheit; »aber das Tor sollen sie offen finden, – deinetwegen, Sidonie! nur deinetwegen.«
»O ich kann Euch nicht sagen, wie dankbar ich Euch bin, liebste, beste Juliane!« frohlockte die Schelmin. »Morgen fliege ich als Friedensengel in die Burg Eurer Feinde, und wenn ich wiederkomme, lege ich Euch ein halbes Dutzend eroberter, in Liebe zu Euch brennender Herzen zu Füßen.« Übermütig umschlang und küßte sie Julianen und war wie der Wind zur Tür hinaus, um den Freundinnen entgegenzueilen und diesen ihren glänzenden Sieg zu verkünden.