»Wenn sie nicht zu stolz ist, diese Großmut von uns anzunehmen,« wandte Hans dagegen ein.

»Siehst du, Hans,« versetzte Bligger, »darum mußt du hin! Weder von mir noch von Konrad würde sie sich's gefallen lassen; und wenn wir ihr den Brief durch Sidonien schickten, so sähe das einer Beleidigung ähnlicher als einem Entgegenkommen. Du bist der einzige, von dem sie es annimmt, wenn du es auf die richtige Weise anfängst. Du kannst ihr damit eine Freude machen, überschüttest sie, überzuckst sie damit, bist der Vermittler, der Freund und Versöhner, mußt ihr nur sagen, daß der Vorschlag von dir ausgeht, und kannst dann von ihr verlangen, was du willst.«

Einen Augenblick noch bedachte sich Hans und sah seine Brüder zweifelhaft an, ob sie dabei nicht noch mit etwas anderem hinter dem Berge hielten. Da sie aber beide durchaus ernsthaft blieben, wurde er plötzlich sehr vergnügt und sagte: »Nun, dann reite ich mit Freuden nach der Minneburg! also morgen früh! suche den Pfandbrief hervor! der Krieg ist aus. Sela, lieben Brüder! Alles hat ein Ende, sagt Trotto, der Kellermeister.« Und ein lustiges Halali pfeifend schritt er zur Tür hinaus, als wollte er gleich aufsitzen und schnurstracks nach der Minneburg traben.

»Was wettest du?« sprach Bligger zu seinem jüngsten Bruder, indem er lächelnd nach der Tür wies, durch welche Hans verschwunden war. »Jetzt läuft er nach Hause, kramt in seiner Kleidertruhe und läßt sich von Drutmann sein bestes Zaumzeug für morgen instand setzen. Das ist ein guter Schritt vorwärts, Konrad!«

»Wenn aber Juliane nun doch unsere Großmut kühl zurückweist?« gab ihm Konrad zu bedenken.

»Nun, was ist dann verdorben?« entgegnete der ältere. »Dann gehen die Verhandlungen, immer durch Hans geführt, munter weiter. Aber sie wird sich hüten. Hätte sie sonst Sidonien zu uns geschickt? Das ist mir das sicherste Zeichen, daß Juliane selber die Anknüpfung mit uns sucht, und vor allem, daß sie Hans wieder bei sich sehen will. Hast du denn nicht gehört, wie Sidonie sagte, Juliane wünschte im Grunde ihres Herzens den Frieden mehr als den Wald? Den Frieden, das heißt: sie wünscht sich Hans, und ich bin überzeugt, die schlaue Sidonie weiß mehr, als sie sagen will. Jetzt muß Juliane kommen und sich bedanken, muß unsere Frauen besuchen, und Hans muß dabei sein. Dann reiten wir wieder nach der Minneburg, Hans natürlich mit, und wenn wir Juliane zu uns einladen, muß Hans ihr die Einladung überbringen. Engelhard und Albrecht müssen uns helfen, daß wir auch bei ihnen mit ihr zusammentreffen, und Hans alldazu. Dann sind wir stets dabei und lassen die beiden nicht aus den Augen und nicht aus den Scheren; und was die Hauptsache ist, die uns alles erleichtert: Juliane verlangt nach Hans, meinen Kopf zum Pfande, daß ich mich nicht irre! Sie ist aber kein gewöhnliches Weib; wen sie gewinnen will, den bannt sie wie mit Zaubergewalt, und ich bin fast neugierig, wie lange es Hans gelingen wird, ihr zu widerstehen.«

»Bligger, du bist ein geschwinder Rechner,« lächelte Konrad, »und ich will nur wünschen, daß dich dein Einmaleins dabei nicht im Stiche läßt.«

»O in dem Exempel sind noch hohe Zahlen, die ich noch gar nicht aufgeführt habe,« erwiderte Bligger. »Da haben wir noch Ernst und Richilde als Hilfstruppen, und was meinst du, wie schwer Julianens Horoskop nach ihrer eigenen Schätzung wiegt? Nein, nein, glaube mir! unser schwierigster Gegner ist Hans, unser Hagestolz selber, zwar mächtig verschanzt hinter dem Bollwerk seines Ehehasses, das aber Julianens Leidenschaft und Liebreiz stürmen wird, wenn wir im Bunde, in Frieden und Freundschaft mit ihr sind, und die Brücke dazu ist der Pfandbrief über den Wald. Ich werde ihn gleich hervorsuchen.«

»Und ich werde Sidoniens Knecht jetzt nach der Minneburg zurückschicken mit der Meldung, daß sie die Nacht hierbleibt,« sagte Konrad. –