»Er ordnet mir meine Urkunden und Briefe und dient mir als Schreiber,« sagte Bligger. »Kennst du Julianens Horoskop?« frug er dann.

»Nein, sie wollte es uns nicht offenbaren,« erwiderte Sidonie. »Aber du, Ohm Bligger! Du wirst es wohl kennen, nicht wahr?«

»Ich? wie soll ich dazu kommen? ich weiß ja kaum –«

»Daß Zachäus auf der Minneburg war? – aber Ohm Bligger!«

Er mußte schweigen. Das kluge Mädchen trieb ihn dermaßen in die Enge, daß es ihn die höchste Zeit dünkte, das Gespräch zu beenden, wenn er nicht noch ganz von ihr durchschaut sein wollte. Einen Augenblick überlegte er, ob er Sidonien nicht in seinen Plan mit Hans und Juliane rückhaltlos einweihen sollte. Denn wenn sie darauf einginge und ihm ihren Beistand zusagte, so hätte er an ihr eine unschätzbare Bundesgenossin gehabt. Aber es schien ihm doch zu bedenklich, der Verschwiegenheit eines jungen Mädchens unbedingt zu trauen und der Freundin Julianens ein diese betreffendes, so wichtiges Geheimnis preiszugeben. Plauderte sie, machte sie auch nur die leiseste Anspielung Julianen gegenüber, so war das Gelingen seines Vorhabens ebenso schwer gefährdet, als wenn Ernst in der Lage gewesen wäre, seinem Ohm Hans einen bedeutsamen Wink zu geben. Daher unterdrückte er die flüchtige Regung und wollte sich mit Sidonie wieder der Laube zuwenden.

Aber sie hielt ihn zurück und sagte: »Noch eins, Ohm! warum soll Ernst morgen nicht mitreiten?«

»Zwei sind zuviel für die kurze Botschaft,« erwiderte Bligger ausweichend. »Er kann euch ein andermal besuchen, meinetwegen so oft er Lust hat und euch willkommen ist.«

»Je öfter, je lieber!«

»Nun, das mache mit ihm aus. Aber jetzt komm wieder zu den andern; sie werden sich wundern, was wir hier im Dunkeln so lange zu tuscheln haben.«

»Herzensgeheimnisse, Ohm Bligger!« lachte Sidonie, »Dinge, denen man im Dunkeln oft besser auf die Spur kommt, als am hellen, lichten Tage. Ich habe in dieser Beziehung eine Fledermausnatur und wittere manches, was man mir verbergen will.«