»Das glaub' ich dir, Ohm Hans!« lächelte sie.
Nun wußte sie genug, war jedoch über den schnellen Entschluß des als eingefleischter Hagestolz Verschrienen aufs höchste verwundert. Ja freilich, da hatte Bligger recht: das gab eine Überraschung, über die man auf allen Burgen so leicht nicht fertig werden würde. Und Hans schien der Einwilligung Julianens schon so zweifellos sicher zu sein, daß es ihrer, Sidoniens, eingreifender Vermittelung gar nicht mehr bedurfte; sie war nur noch die erstaunte Zuschauerin bei einem ganz unberechenbar gewesenen Ereignis, dessen Eintreffen höchstens die Sterne vorausgesehen haben konnten. Darum also mußte Hans sie zur Minneburg begleiten, darum hatte er sich so prächtig geschmückt; sie führte der Harrenden den heimlich Geliebten, den sehnsüchtig erwarteten Freier zu. Und wie hatte Juliane sich zu verstellen gewußt, wenn sie von ihrem Hasse gegen die Landschaden sprach, vor denen sie die Brücke aufziehen lassen wollte! Vorgestern noch hatte sie so getan, als müßte sie sich von Sidonien erst groß bitten und bereden lassen, Botschaft nach der Mittelburg zu senden, und als geschähe das nur Sidonien zuliebe, um ihr ein Wiedersehen mit Ernst zu ermöglichen. Dieses Nasführen wollte sie der tugendsamen Burgfrau anstreichen; wie, das sollte ihr der Augenblick eingeben, aber sie fing während des Rittes schon an, über eine hübsche kleine Bosheit nachzudenken, mit der sie sich an der Heuchlerin rächen wollte.
Nachdem beide eine Strecke schweigend nebeneinander hergeritten waren, begann Sidonie: »Wie willst du denn das machen, Ohm Hans, wenn du Julianen den Pfandbrief überreichst?«
»Das überlege ich mir auch eben,« erwiderte er. »Du mußt nämlich wissen, Sidonie, daß wir ihr den Wald zurückgeben ohne einen Pfennig dafür zu verlangen; die ganze Schuld ist gestrichen.«
»Ah, das ist brav!« rief Sidonie. Natürlich! dachte sie, die zweihundert Gulden sind Ohm Bliggers Brautgeschenk. »Das mußt du aber schlau anfangen, mußt erst ganz allmählich damit herausrücken, sonst verfehlt es seine rechte Wirkung,« fügte sie dann laut hinzu.
»Meinst du? ja, wie denkst du dir das?« frug er.
»Ich will dir etwas sagen, Ohm Hans,« sprach Sidonie. »Hier im Walde sieht und hört uns niemand; da könnten wir das einmal probieren. Ich stelle Juliane vor, du bringst mir die wichtige Nachricht, und aus Rede und Gegenrede sehen wir dann, wie sich das entwickeln wird, damit du nachher auf alles vorbereitet bist.«
»Ein guter Vorschlag, Sidonie! das wollen wir machen,« sagte Hans.
»Dann komm hier vom Wege fort in das Gebüsch und hilf mir vom Pferde.«
Sie ritten etwas tiefer in den Wald unter die Bäume; Hans stieg ab, hob in seinen starken Armen Sidonien wie ein Kind aus dem Sattel und band die Pferde an eine halbwüchsige Birke.