»So!« sagte sie, »dieser bemooste Stein hier ist Julianens Sessel; darauf sitze ich als die Herrin der Minneburg und höre dich gnädig an.«
Sie setzte sich auf den Stein und nahm, so gut sie konnte, Haltung und Miene derjenigen an, deren Rolle sie spielen wollte, während Hans ihr gegenüber stand und sich auf eine Anrede besann.
»Nun steh' nur nicht wie ein armer Sünder da!« lachte Sidonie, »du bringst mir doch etwas Gutes; fange an!«
Hans räusperte sich, machte eine tiefe Verbeugung vor der Sitzenden und begann: »Hochedle Frau! wir haben Euren Vorschlag, den uns gestern die schöne und liebenswürdige Sidonie –«
»Erlaube!« unterbrach sie ihn, »keine Frau hört es gern, wenn ein Mann eine andere schön und liebenswürdig findet, und wenn er noch so sehr recht hätte. Also fange noch einmal an und laß das weg.«
Er wiederholte nun: »Hochedle Frau! wir haben Euren Vorschlag, den uns Sidonie in Eurem Namen überbracht hat, reiflich erwogen, aber zu meinem großen Bedauern muß ich Euch mitteilen, daß wir drei Brüder übereingekommen sind, denselben rund abzulehnen.«
»Sehr gut! sehr gut!« sagte Sidonie halblaut. Dann aber, Julianens Stimme und Sprechweise vortrefflich nachahmend, sprach sie scharf und hochmütig: »Das bedaure ich gleicherweise, Junker Hans, und wundere mich nur, daß Ihr den gehässigen Auftrag übernommen und Euch zu der Kühnheit verstiegen habt, mir eine so unangenehme Nachricht selber zu bringen. Ich muß Euch sagen, Herr, daß es mir lieber gewesen wäre, wenn Ihr das Sidonien allein überlassen hättet.«
»Alle Wetter!« sprach Hans, »das ist stark!«
»Ja, darauf mußt du dich gefaßt machen.«
»O weh! o weh! was soll ich darauf antworten?« seufzte er.