Er trat freudestrahlend auf sie zu und drückte ihr warm die Hand.
Er trat so freudestrahlend auf sie zu, er drückte ihr so warm die Hand, daß ihr ein ganzer Strom von Hoffnung durch das Herz flutete. Noch ehe er ein Wort gesprochen, saßen sie sich Auge in Auge gegenüber.
Sidonie hatte Hiltrud und Richilde schnell zugeflüstert: »Kommt! Botschaft von Ernst!« und wie gescheuchte Kobolde huschten sie alle drei zur Tür hinaus. Hans und Juliane waren allein.
»Ich sehe es Euch an, Junker Hans; Ihr bringt mir den Frieden,« nahm Juliane das Wort.
Hans stutzte. Das war außer der Reihe der abgehaltenen Probe; er mußte ja anfangen, nicht sie. »Wollt mich geduldig anhören, gnädige Frau!« begann er nun seine eingeübte Rede, um doch noch ins rechte Gleis damit zu kommen. »Zu meinem Bedauern muß ich Euch mitteilen –«
Jetzt war es Juliane, die bei diesem nichts Gutes verheißenden Anfang erschrak; aber in den Augen des Sprechers flimmerte und flunkerte etwas so Lustiges und Listiges, daß sie ihn lachend unterbrach: »Ach, Junker Hans, spart Euch die Mühe, mich irreführen zu wollen! Ihr seht wahrhaftig nicht aus wie einer, der etwas Bedauernswertes mitzuteilen hat. Da in der Tasche, auf die Ihr so breit behütend und beschützend Eure ritterliche Hand haltet, da steckt der Pfandbrief über den Wald; rückt nur heraus damit, verleugnen könnt Ihr ihn doch nicht!«
Hans war vollkommen sprachlos, und es war nicht das klügste Gesicht, das er bei diesem unvermuteten Angriff machte, denn es wirbelte ihm wie närrisch im Kopfe herum, und wie von einer Wespe gestochen, fuhr seine Hand unwillkürlich von der Tasche zurück. Wo blieb nun die ganze schöne Einleitung und Überraschung, die sich nach der sorgfältigen Vorbereitung im Walde von Wort zu Wort steigern sollte, um in dem glänzendsten Erfolge zu gipfeln? Damit war es nun nichts. Auf das, wie es nun gekommen, war er nicht im mindesten vorbereitet; jetzt war er selber der Überzuckte und hatte weder den Mut noch die Geistesgegenwart, Julianens merkwürdigen Treffer durch einen geschickten Gegenstoß zu überbieten und sie mit erkünstelten Hindernissen und Schwierigkeiten zu necken und hinzuhalten, um zuletzt mit einem desto stolzeren und glücklicheren Siege über sie zu triumphieren.
»Frau Juliane,« sagte er, nachdem er sich einigermaßen gesammelt hatte, »ich bin schier fassungslos vor Staunen über Euren wunderbaren Scharfblick. Ihr habt es erraten: hier in der Tasche steckt der Pfandbrief, und ich freue mich ganz ungemein darüber, daß Ihr nicht einen Augenblick angenommen habt, ich hätte wieder herkommen können, ohne Euch die Erfüllung Eures Wunsches zu überbringen.« Und in die Tasche greifend und ihr die Urkunde darbietend, fuhr er fort: »Hier, edle Frau, nehmt Euren Wald von uns zurück!«
Mit einem rührend innigen Blick und in einer überaus holdseligen Verwirrung, die ihr Antlitz mädchenhaft verjüngte und noch verschönte, nahm sie das Schriftstück hin und reichte dem wiedergewonnenen Freunde die Hand mit den wenigen, aber herzlich warm gesprochenen Worten: »Ich danke Euch, Junker Hans!«