Frau Anna schlug die Augen nieder und seufzte leise. Hans mußte seinem knurrenden Magen Gewalt antun, während er sich mit der Schloßherrin unterhielt. Engelhard schritt, die Hände auf dem Rücken, ungeduldig auf und ab und knipste beständig mit den Fingern.

Nach geraumer Weile erschien Frau Margarethe, ein weißes Tuch um den Kopf gebunden, daß sie wie eine Nonne aussah. »Ich habe schon erfahren, welche Überraschung mir hier bevorstand,« sprach sie mit matter Stimme. »Was führt Euch denn her, Junker Hans?«

Statt des Gastes, der auf diesen seltsamen Willkomm nicht gleich eine Antwort fand, entgegnete Engelhard kurz: »Ein Geschäft, Frau Schwieger! nicht die Sehnsucht –« nach Euch, schluckte er noch glücklich herunter, aber ein Blick Margarethens sagte ihm, daß sie es verstanden hatte, was er meinte.

»Ich höre zu meinem Bedauern, daß Ihr leidend seid, Frau von Handschuchsheim,« bemerkte Hans, um doch auch etwas zu sagen; aber es klang viel mehr ärgerlich, als bedauerlich.

»Entsetzliches Kopfweh, lieber Freund!« hauchte sie, »unerträglich, ganz unerträglich, sag' ich Euch!«

Hans ließ als versuchten Ausdruck des Beileids ein sanftes, unverständliches Gebrumm vernehmen. Darauf setzte man sich, und das Mahl begann. Doch es ging sehr schweigsam her; nur dann und wann zitterte ein Seufzer Margarethens durch die Stille. Des Ritters ältester Sohn, Friedrich, war nicht daheim; zwei andere Söhne und eine Tochter, alle jünger als Sidonie, saßen mäuschenstill, blickten scheu bald auf den Gast, bald auf ihre Großmutter und warteten bescheiden, daß ihnen die Mutter etwas von den Speisen auf die Teller legte. Frau Anna richtete zuweilen ein halblautes Wort an Hans, das dieser jedesmal freundlich, aber auch nur mit gedämpfter Stimme erwiderte.

Mit einem Male, wie um sich Luft zu machen, schrie Engelhard überlaut seinem Freund und Tischnachbar an: »Mensch! du ißt ja nicht!«

Margarethe fuhr zusammen, legte das Messer hin und griff mit der Hand nach dem Kopfe. »Aber Herr Sohn! ich bitte Euch!« sagte sie mit scharfem Tone, »nehmt doch wenigstens heut etwas Rücksicht auf meinen Zustand! sonst verlang' ich's ja nicht.«

Engelhard schwebte eine heftige Entgegnung auf der Zunge; aber er bezwang sich, leerte seinen Becher auf einen Ruck und stieß ihn auf den Tisch, daß es knallte.

Wieder zuckte Frau Margarethe zusammen; aber das Zucken kam etwas spät nach dem Knall, als hätte sie es beinahe vergessen. Dann aß sie hastig, und ihr Appetit war nicht der einer Leidenden.