Hansens Augen schossen Blitze auf seine streitsüchtige Gegnerin; doch er tat, was vorher Engelhard in dem gleichen Falle getan hatte. Er schwieg, leerte schnell seinen Becher und stieß ihn, ebenso wie jener, hart auf den Tisch, gleichsam als wollte er damit einen Punkt hinter diese ihm sehr peinliche Unterhaltung setzen.

Diesmal zuckte Frau Margarethe nicht, aber sie machte eine sehr höhnische Miene.

Engelhard saß und hielt sich die Hand vor den Mund, um sich so das Lachen besser verbeißen zu können, denn Hansens Zank mit seiner Schwiegermutter belustigte ihn aufs höchste. Aber er mußte noch ein bißchen hetzen. »Nimm dich in acht, Hans!« sagte er, »mit meiner Frau Schwieger ziehst du den kürzeren. Und du kannst noch von Glück sagen, daß sie heut ihr entsetzliches Gliederreißen hat, – nein, Kopfweh, wollt' ich sagen, ihr unerträgliches Kopfweh hat; sonst würdest du noch ganz anders zugedeckt. Nicht wahr, Frau Schwieger?«

»Herr Sohn!« fuhr Margarethe heftig auf, »wie könnt Ihr nur so herzlos sprechen! das soll ein Glück für den einen sein, wenn der andere leidend und elend ist? aber das sieht Euch ähnlich, Euch, der Ihr kein Mitgefühl kennt! – O Gott! es fängt schon wieder an,« unterbrach sie sich plötzlich mit kläglicher Stimme und hielt sich den Kopf. »Wie mich ein solcher Wortwechsel aufregt! und ich lebe doch so gern in Frieden mit aller Welt. Aber diese ewigen Streitigkeiten machen mich immer mürber, immer kränker und siecher, bis es einmal ganz mit mir vorbei ist.«

»Na ja, da haben wir's!« sagte Engelhard. »Siehst du, Hans, so weit hast du's nun mit deiner Zänkerei und Rechthaberei gebracht! Wenn meiner lieben Schwiegermutter nun etwas zustößt, so bist du schuld!«

»Wird wohl so schlimm nicht werden,« brummte Hans.

»Was? so schlimm nicht werden?« eiferte Margarethe. »Man sieht's, Junker Landschad, daß Ihr keine Frau und besonders keine Schwiegermutter habt –«

»Gott in allen Himmeln sei gedankt! nein!!« rief Hans mit einem Blick nach oben die Hände faltend und wie zu einem Dankgebet erhebend.

»– darum habt Ihr auch keine Ahnung von der feinfühligen, zartbesaiteten, empfindsamen und erregbaren Natur eines edlen weiblichen Wesens, –«

»– wie eine Schwiegermutter ist,« schaltete Engelhard lachend ein.