Als Margarethe dem Junker Hans ihren Becher entgegenhielt, sagte sie: »Jetzt trinke ich auf das Wohl der schönen Frau Juliane Rüdt von Kollenberg, und wer es gut mit ihr meint, der trinkt mit.«
»Da bin ich allemal dabei,« sprach Hans und stürzte seinen Becher voll Wein in einem Zuge hinunter.
»Aha!« machte Engelhard, »Hans, das war gründlich!«
Hans nickte ihm mit einem flammenden Blicke zu, und es kam ihm vom Herzen, als er sprach: »Ja, das sollt' es auch!«
Allmählich, während eines harmloseren Gesprächs, an dem sich nun auch Frau Anna beteiligte, wurde Frau Margarethe von Handschuchsheim immer stiller und stiller; die Augenlider wurden ihr schwer, und sie fing an, mit dem Kopfe zu nicken. Als sie sich ihrer Schläfrigkeit bewußt wurde, stand sie auf und sagte: »Ich muß ein wenig der Ruhe pflegen; die Notwehr gegen euch zänkische Männer hat mich etwas angegriffen; kein Wunder, wenn man mit einem Landschaden streiten muß, einem Meister im Schachspiel, bei welchem der Ritter auch die Dame auf jedem Felde schlagen darf wider alle Sitte und Höflichkeit im Leben.« Diesen kleinen Hieb mußte sie dem Gaste doch noch versetzen. Dann aber bot sie ihm die Hand und fuhr fort: »Lebt wohl, Junker Hans: Werden wir uns bald einmal wiedersehen?«
Wenn's auf mich ankäme, in diesem Leben nicht mehr! dachte Hans, sagte jedoch: »Gewiß, gnädige Frau! sobald wie irgend möglich werde ich mir diese große Freude wieder zu verschaffen suchen.«
Darauf verließ Margarethe das Gemach, begleitet von ihrer Tochter und deren Kindern. Die Männer blieben allein und tranken weiter.
Kaum hatte sich die Tür hinter jenen geschlossen, als Hans seinen vollen Becher wiederum auf einen Zug leerte und dem Trunke ein langgedehntes, befreiendes Ah! folgen ließ.
»Ist sie runter?« lächelte Engelhard; er meinte die Schwiegermutter.
»Noch nicht ganz,« lachte Hans, »aber sie rutscht schon.«