»Sie hat nur eine böse Zunge, nicht eigentlich ein böses Herz,« erklärte nun Engelhard. »Wenn man sich an ihre Art gewöhnt hat und auch gegen sie kein Blatt vor den Mund nimmt, so ist zur Not schon mit ihr auszukommen.«

»Der Teufel mag sich an eine Schwiegermutter gewöhnen!« fuhr Hans heraus, »ich käme mit der Frau nicht aus.«

»Weg damit!« sprach Engelhard, »trink! und laß uns von etwas anderem reden. Erzähle mir von der Minneburg.«

»Da ist nichts zu erzählen,« gab Hans kurz zur Antwort.

»Höre, Hans,« begann nun Engelhard, »wir waren immer treue Kumpane, haben manchen Ritt zusammen gemacht und manchen Trunk miteinander getan; jetzt sage mir einmal offen und ehrlich: wie stehst du mit Juliane?«

Hans wurde wieder rot wie ein Schulknabe, rückte auf seinem Stuhle hin und her, und es wurde ihm sichtlich schwer, dem Freunde darauf eine Antwort zu geben. Endlich sagte er: »Wie soll ich mit ihr stehen? erst waren wir gute Freunde, dann haben wir uns drei Jahre lang nicht gesehen, und jetzt sind wir auf dem besten Wege, wieder gute Freunde zu werden.«

»Du solltest sie heiraten, Hans,« sprach Engelhard nun rund heraus.

»Fängst du schon wieder damit an?!« brauste Hans auf. »Das tue ich nicht!«

»Von der Freundschaft zur Liebe ist zwischen Leuten, wie ihr seid, nur ein Schritt.«