»Sie sind beide verwundet,« berichtete Josephine. »Junker Hans nicht gefährlich; er kann zu Pferde sitzen und nach Hause reiten. Ritter Bödigheim aber liegt schwer darnieder; das linke Schlüsselbein ist ihm durchgeschlagen und wahrscheinlich noch eine oder zwei Rippen. Mein Vater ist dort und hat ihn verbunden.«

»Ohm Hans einen Zweikampf mit Bödigheim! und davon hat er mir gestern kein Wort gesagt,« murmelte Ernst.

»Herr Engelhard von Hirschhorn und der Graf von Lauffen waren auch dort als Zeugen,« fuhr Josephine fort; »der Schmied nannte mir die Namen. Sie lassen einen Bauernwagen aus Neunkirchen holen, um den Schwerverwundeten fortzuschaffen. Mein Vater, der ja Arzt ist, soll ihn nach Burg Dauchstein geleiten und dort pflegen.«

»Ich muß gleich hin,« sprach Ernst erregt zu den Fräulein. »Den Besuch bei deiner Mutter mache ich morgen, spätestens übermorgen, sobald ich kann,« flüsterte er Richilde mit zärtlichem Blick und Händedruck zu, während sich Josephinens funkelnde Augen feindselig in deren Antlitz bohrten. »Komm Joseph!« und den anderen beiden freundlich zunickend schritt er mit Josephinen in den Wald hinein der Stelle zu, wo er sein Pferd angebunden hatte.

»Weißt du etwas über die Veranlassung zu dem Zweikampf?« frug er.

»Nein, gar nichts,« erwiderte Josephine. »Junker Hans kam gestern abend, unbemerkt von Euren Eltern, zu meinem Vater und gebot ihm, sich heute vormittag an der Schmiedeschenke einzufinden, wo man vielleicht seines ärztlichen Beistandes benötigt sein würde. Doch legte er ihm strengste Verschwiegenheit darüber auf. Mein Vater nahm mich mit, und ich durfte dem Kampfe zusehen; ach! es war schrecklich, wie sie aufeinander losschlugen. Als alles vorüber war, ging ich Euch nach, um Euch Botschaft zu bringen, denn mein Vater kehrte ja nicht mit mir nach Neckarsteinach zurück. Ich glaubte Euch auf der Minneburg, und den Weg kannte ich so ziemlich nach Eurer eigenen Beschreibung. Bald entdeckte ich auch die frischen Hufspuren Eures Pferdes, denen ich folgte, bis ich Euch fand.«

Das war nicht ganz der Wahrheit entsprechend. Nicht um Ernst Botschaft zu bringen, war Josephine diesen Weg gegangen, sondern um in der Nähe der Minneburg Ernst bei einem vermutlichen Stelldichein mit Richilde im Walde zu belauschen und diese endlich einmal mit eigenen Augen zu sehen, was ihr ja beides auch gelungen war.

Ernst, teils noch im Rausche seines Liebesglücks, teils in Sorge um seinen geliebten Oheim, dachte nicht daran, Josephine zu fragen, wie lange sie dort im Gebüsch gestanden, was sie alles gesehen und wieviel sie von seiner Unterhaltung mit den Fräulein aufgefangen hätte. Daran lag ihm auch nichts. Er hätte ihr rückhaltlos alles selber erzählt, wenn er jetzt in einer mitteilsameren Stimmung gewesen wäre. Bei seinem Pferde angekommen, schwang er sich in den Sattel und ritt schnell davon, um Hans nach dem siegreich bestandenen Kampfe sobald wie möglich wiederzusehen und sich von der Beschaffenheit seiner Verwundung zu überzeugen.

Nicht drei Minuten aber war Josephine allein, als sie wieder nahenden Hufschlag hörte. Ernst kam noch einmal zurück und rief, als er der darob Erstaunten ansichtig wurde, ihr von weitem zu: »Geh zu den Fräulein und sage ihnen, ich ließe sie bitten, Frau Juliane das heute Geschehene nicht mitzuteilen!«

Josephine nickte, und Ernst wandte sein Pferd und sprengte davon.