»Ich danke Euch, Fräulein Sidonie!« sprach Josephine.

Hiltrud nickte ihr stumm, kaum merklich mit dem Kopfe zu; Richilde würdigte sie keines Abschiedsgrußes. So gingen die drei der Minneburg zu.

Josephine stand und blickte voll gärenden Hasses der Blonden nach. »Hochmütige, hüte dich vor mir!« murmelte sie zwischen den Zähnen. Dann schlug sie die entgegengesetzte Richtung ein, um auf dem kürzesten Wege nach Neckarsteinach zu kommen. Als sie ihren Rock wieder vom Strauche nahm, lachte sie: »Das war ein guter Gedanke, und er hat seine Schuldigkeit getan.«


Achtzehntes Kapitel.

Zu derselben Stunde, da bei der Reiherbuche Ernst und Richilde sich ihre Liebe gestanden und sich Treue gelobten und bei der Schmiedeschenke Hans Landschad und Bruno von Bödigheim sich Julianens wegen schlugen, erhielt die letztere den unerwarteten Besuch ihrer trautesten Freundin, Frau Elisabeth von Erlickheim.

Wenn dieser Besuch eine oder nur eine halbe Woche früher gekommen wäre, so würde sich Juliane aufrichtig darüber gefreut haben; jetzt aber, nachdem sie vor drei Tagen Elisabeths Bruder mit seiner Werbung um ihre Hand so entschieden, fast herb und höhnisch abgewiesen hatte, sah sie dem Eintreten der eben in den Burghof reitenden Freundin mit beklommenem Gefühl entgegen. Sie nahm als selbstverständlich an, daß Elisabeth bereits um das Mißgeschick ihres Bruders wüßte und nun käme, den Antrag in seinem Namen zu wiederholen und ihrerseits durch Bitten und Vorstellungen zu unterstützen. So fest entschlossen sie nun war, denselben auch heute wieder abzulehnen, so peinlich war ihr dies doch der Freundin gegenüber.

Daher hatte die gegenseitige Begrüßung der beiden Frauen, die sich lange nicht gesehen hatten, eine etwas gedämpfte Herzlichkeit, und während sie sich in Julianens Erker vorläufig noch über mehr oder minder Gleichgültiges unterhielten, blickte jede der anderen fragend und abwartend ins Antlitz, welche von ihnen zuerst den heiklen Gegenstand mit einem Worte berühren würde.

Da Elisabeth noch immer damit zurückhielt, wurde Juliane ungeduldig, und wünschend, den unausbleiblichen Angriff nur erst überstanden zu haben, war sie es, die den Anfang machte.