Sie streckte der Freundin die Hand entgegen und sagte mit einem warmen Herzenstone: »Elisabeth, du zürnst mir nicht! nicht wahr? gib mir die Hand darauf! Sieh'! ich konnte nicht anders!«

Elisabeth ergriff die dargebotene Hand und erwiderte: »Nein, Juliane! ich zürne dir gewiß nicht, so nahe mir auch das Schicksal meines armen Bruders geht; aber daß du einen Landschaden heiraten willst, einen von denen –«

»Wer hat dir gesagt, daß ich einen Landschaden heiraten will?« fiel ihr Juliane, bis an die Stirn errötend, ins Wort.

»Wer mir das gesagt hat? O, das kannst du auf allen Burgen von Heilbronn bis Heidelberg hören,« lachte die andere. »Nun, du bist ja deine eigene Herrin und kannst tun und lassen, was du willst,« fuhr sie fort, als Juliane ärgerlich und verlegen schwieg. »Welcher vernünftige Mensch könnte dir also einen Vorwurf machen, wenn es die Liebe wäre, die euch zusammenführt!«

»Traust du mir zu, Elisabeth, daß ich mich jemals ohne Liebe einem Mann ergeben könnte?« frug Juliane.

»Eigentlich nicht,« erwiderte Frau von Erlickheim. »Darum tut es mir ebenso leid, daß meine herzliebe Freundin das auserlesene Opfer eines klug angelegten Planes, das bequeme Mittel zur Erreichung eines habgierigen Zweckes sein soll.«

»Opfer? bequemes Mittel zu einem habgierigen Zwecke? was sind denn das für sonderbare Reden?« sprach Juliane. »Ich bin ja nicht die Erbin der Minneburg, sondern meine Tochter ist es.«

»Das weiß ich, das meine ich aber auch nicht.«

»Ja, was meinst du denn? ich verstehe kein Wort von allem, was du sagst.«