»Jetzt versteh' ich dich,« sagte Juliane gereizt; »du willst mich daran erinnern, welche große Überwindung es ihn kosten würde, wenn er mich zur Frau nähme. Wie freundschaftlich von dir!«
»Nun, es ist ja nicht unmöglich, daß er dich nebenbei auch ein wenig liebt oder vielleicht recht sehr liebt,« lenkte Elisabeth ungeschickt ein.
»Nebenbei! ein wenig!« wiederholte Juliane bitter, und ein zürnender Blick traf die mißgünstige Trösterin.
»Hat er schon um dich geworben?« forschte diese.
»Nein!«
»Aber wenn er es nun tut, was wirst du ihm antworten?«
»Ich werde ihn nach dem Rechte der Hagestolze fragen,« erwiderte Juliane sehr entschieden, »und« – schloß sie mit besonderem Nachdruck – »Hans Landschad lügt nicht!«
»Ich auch nicht, Juliane,« entgegnete Frau von Erlickheim empfindlich. »Ich habe es mit meinen eigenen Ohren gehört, als es Engelhard von Hirschhorn meinem Manne anvertraute.«
Die Nennung dieser Quelle wirkte auf Juliane wie ein betäubender Schlag. Sie wußte, daß Engelhard von Hirschhorn, der Landschaden, zumal Hansens bester Freund, stets in deren Pläne eingeweiht, oft selbst daran beteiligt war, und sah sich nun jedes Zweifels, als könne hier ein Irrtum obwalten oder eine Verleumdung im Spiele sein, plötzlich beraubt. Mit Mühe rang sie nach Fassung, um wenigstens in Gegenwart Elisabeths ihres Schmerzens Herr zu werden.
Als diese sah, in welchem Aufruhr sich Juliane befand, sprach sie: »Jetzt zürnst du mir, Juliane, daß ich dir die Wahrheit gesagt habe; verzeihe mir! ich glaubte sie dir schuldig zu sein. Mache damit, was du willst; ich gehe jetzt und lasse dich allein, denn so etwas macht man am besten mit sich selbst ab. Brauchst du Trost oder Hilfe, so weißt du, wo du mich findest.«