»Hans! Hans Hagestolz!« höhnte Juliane, »er soll mir nur über die Schwelle kommen!«

»Mein Gott! Was ist denn geschehen?«

»Nichts, was dich angeht oder du auch nur zu wissen brauchtest.«

»Ihr seid mir selber ein Rätsel, Frau Juliane!« sprach Sidonie, die aus ihrem grenzenlosen Staunen gar nicht herauskam. »Sprecht Euch doch aus; vielleicht kann ich noch einmal vermitteln.«

»O ja; du kannst, wenn du Lust hast, noch einmal nach Neckarsteinach reiten, den Landschaden in meinem Namen absagen und ihnen bestellen, sie wären wieder meine Feinde und sollten es bleiben, so lange sie und ich das Leben hätten!« erwiderte Juliane heftig. Die Augen in ihrem bleichen Gesicht funkelten in loderndem Haß, und ihr Busen hob und senkte sich in gewaltigster Bewegung.

Sidonie war diesem ihr unbegreiflichen Wutausbruch gegenüber machtlos, und um der Erregten Zeit zu lassen, sich zu beruhigen, ritt sie eine Weile schweigend neben ihr her, um später das Gespräch wieder anzuknüpfen.

Als ihr der rechte Augenblick dazu gekommen schien, begann sie von neuem: »Frau Juliane, schenkt mir Vertrauen; es muß ein Mißverständnis obwalten, das aufgeklärt werden muß. Sagt mir: warum seid Ihr gegen Richildens Verbindung mit Ernst?«

»Ich kann es weder dir, noch irgendeinem anderen Menschen sagen,« erwiderte Juliane; »denn ich müßte mich schämen, zu bekennen, wie ich hintergangen und betrogen bin.« Wieder bebte ihr die Stimme, und in einen immer gereizteren Ton verfallend fügte sie hinzu: »Aus der Verbindung kann nichts werden; es ist ganz undenkbar, und Richilde soll sich nicht unterstehen, mir davon anzufangen! Kein Wort will ich davon hören! den Junker Landschad laß' ich gar nicht vor.«

»Aber Ernst und Richilde lieben sich, haben sich ihre Liebe gestanden und sich ewige Treue geschworen. Sie können und wollen nicht voneinander lassen,« stellte ihr Sidonie eindringlich vor.