»Pah! sie werden es lernen müssen! Man lernt manches im Leben, was man vorher nie begreifen zu können glaubte,« lachte Juliane bitter. »Sidonie, höre meinen Schwur!« Sie richtete sich im Sattel mit ihrer ganzen Gestalt hoch und gebieterisch auf und hob die Hand mit der Reitgerte drohend empor. »Hier schwöre ich: Juliane Rüdt von Kollenberg wird niemals, niemals ihre Einwilligung geben, daß ihre Tochter Richilde eines Landschaden Frau wird! Du hast es gehört, Sidonie! und links der Neckar und rechts der Wald hier sind meine Zeugen, weil ich keine anderen Zeugen außer dir habe.«
Sidonie schüttelte das Haupt und schwieg; auch Juliane sprach nichts weiter. Sie wandten die Rosse und ritten heim. In beiden wirkte das gepflogene Gespräch noch lange mächtig nach.
Neunzehntes Kapitel.
Nach einem scharfen Ritte von der Reiherbuche nach Neckarsteinach langte Ernst auf schaumbedecktem Pferde in Burg Schadeck an und eilte sofort die Treppe hinauf in das Gemach seines verwundeten Oheims. Hier traf er seinen Vater und Engelhard von Hirschhorn, denen es nach vielem Zureden gelungen war, Hans ins Bett zu bringen. Da lag er nun mit nassen Umschlägen auf dem Kopfe, die ihm Williswinde von Zeit zu Zeit erneuern mußte, im übrigen aber ganz vergnügt und mit nur mäßigen Schmerzen.
Er hatte einen tüchtigen, zum Glück noch halb abgefangenen Hieb bekommen, der ihn jedoch nicht sofort kampfunfähig gemacht, dagegen so geärgert hatte, daß er mit dem nächsten gewaltigen Streiche seinen Gegner zu Boden gestreckt hatte. Isaak Zachäus hatte auch ihm einen leichten Verband angelegt, aber während des schnellen Rittes nach Hause war ein ziemlich starker Blutverlust eingetreten.
Hans begrüßte den Neffen aufs freundlichste, versicherte ihn scherzend der Leichtigkeit seiner Verwundung und ersuchte ihn, bei ihm zu bleiben und ihm mit Späßen und Erzählungen die Zeit zu vertreiben, wozu Ernst mit Freuden bereit war.
Bligger und Engelhard ließen die beiden allein und gingen nach der Mittelburg, wohin sie Konrad beschieden, um diesen und Katharina, die bei Engelhards Ankunft nur die nackte Tatsache und nichts weiter erfahren hatte, von dem Vorgefallenen näher zu unterrichten.