Auf dem Wege dahin gab Engelhard seinem Freunde Bligger Auskunft über die Veranlassung des Zweikampfes, so wie sie ihm Hans auf dem Heimritt von der Schmiedeschenke gebeichtet hatte.
»Die Hauptsache ist: er hat sich für Juliane geschlagen!« sagte Bligger nach Anhörung von Engelhards Bericht, »und zwar mit seinem Nebenbuhler geschlagen. Das ist nicht nur das sicherste Zeichen, daß er sie liebt, sondern zugleich die größte Huldigung, die er ihr beweisen konnte, und für die sie ihm ihren Dank, ich möchte sagen ihre Hand geradezu schuldig ist.«
»Daß er Juliane liebt, glaube ich jetzt selber,« sprach Engelhard; »aber heiraten will er sie doch nicht. Ich habe ihn, als er bei mir war und wir beim Weine saßen, darauf gebracht und ihm gut zugeredet; aber er wies es entschieden zurück und wurde gleich so schrecklich grob, daß ich kein Wort mehr sagen durfte.«
»Tut nichts,« lachte Bligger. »Wenn er sie nicht heiratet, so heiratet sie ihn. Sie muß es nur sobald wie möglich erfahren, daß er sich für sie geschlagen hat. Das wäre wieder so ein Auftrag für Sidonie,« fügte er wie mit sich selbst redend hinzu; »oder auch Ernst könnte hinreiten und es ihr wie ganz beiläufig mitteilen. Ich möchte nur dabei sein, um zu sehen, welche Wirkung die Nachricht auf sie macht; man müßte ihr Hansens Verwundung als recht gefährlich darstellen.«
»Das könnte ich ja besorgen,« sprach Engelhard. »Dann wissen wir gleich, wie es wirkt.«
»Mir ist's recht,« erwiderte Bligger, »übernimm du es, und je eher, je besser! denn wir erwarten sie jeden Tag; sie hat uns durch Hans ihren Besuch versprochen. Wenn sie nun von dem Zweikampf und Hansens Verwundung hört und kommt den nächsten Tag darauf angesaust, dann ist's richtig.« Und er schlug in die Hände und strich sich den Bart, wie es seine Gewohnheit war, wenn ihn etwas besonders erfreute.
Als die beiden Ritter nun Katharina und Konrad in das Tatsächliche und ihre Gedanken darüber einweihten, fanden sie bei diesen volle Übereinstimmung mit ihrer Auffassung von der Lage der Dinge, und alle gaben sich einer hoffnungsvollen Freude darüber hin, die sie sich nicht enthalten konnten, mit einem fröhlichen Trunk auf Hansens baldige Genesung zu feiern.
Ernst blieb mehrere Stunden lang bei dem Verwundeten; doch über die wahre Veranlassung des Zweikampfes wollte Hans trotz allen Fragen und Bitten Ernsts nicht mit der Sprache heraus, was den letzteren so verdroß, daß er dem Oheim nun auch nicht das Geständnis seiner Verlobung mit Richilden ablegen mochte, wie sehr es ihm auch auf der Zunge brannte.
Am Spätnachmittag sagte Hans: »Weißt du was, Ernst? Du könntest mir den Joseph holen, daß er mit mir Schach spielt; ich langweile mich fürchterlich.«