Ihr glühten die Wangen, aber weniger vor Beschämung über das Lob ihrer Schönheit, das in seinen Worten lag, als vor Freude und Genugtuung über das Gelingen ihrer Absicht. Denn sie hatte sich nur darum weiblich gekleidet, um ihn zu versuchen, und als sie sah, wie ihre verwandelte Erscheinung seine Sinne befing, wallte es heiß in ihr auf, und ihre weiße Brust wogte.
»Ich sagte Euch einmal, daß ich auch Frauengewänder bei mir hätte,« sprach sie verführerisch lächelnd. »Ich trage sie jedoch nur, wenn ich mit meinem Vater in stiller Zurückgezogenheit hinter Schloß und Riegel einen Feiertag begehe. Dazu lege ich dann auch Hals- und Armbänder an, denn schöne Kleidung und Juwelen für mich ist das einzige, womit mein Vater nicht kargt; aber Ihr ließet mir ja nicht Zeit, mich zu schmücken.«
»Du brauchst nicht Gold und blitzende Steine auf diesem Halse und an diesen Armen; du bist auch ohne das zauberschön!« entfuhr es Ernst. »Habt ihr heut' einen Feiertag?«
»Das nicht,« erwiderte sie, »aber ich habe die Mummerei satt, und so lange ich hier auf Eures Vaters Burg bleibe, werde ich fortan stets Frauenkleider tragen. Ich bin ja hier vor jeder Anfechtung sicher,« fügte sie halb schalkhaft, halb bitter hinzu.
»Weißt du das so gewiß, Josephine?« sprach er mit einem vollen Blick in ihr Gesicht.
»Bis heute glaubt' ich es, Junker Ernst,« hauchte sie und senkte das Haupt.
»Und heute nicht mehr?« Er ergriff ihre Hand und legte seine andere Hand auf ihre Schulter. Sie zitterte stark, und ihr Atem ging.
»Josephine,« sprach er leise, »du bist sehr schön, und du weißt es, daß du schön bist, am schönsten in der Tracht, die dir gebührt. Hast du sie nicht darum angelegt?«
Er fühlte einen sanften Druck ihrer Hand. Dann erhob sie die Augen zu ihm und sah ihn eine Weile schweigend an. In dem Blicke lag eine Welt voll Leidenschaft und hingebender Liebe.
Er stand und rührte sich nicht; ihr Blick prallte machtlos an ihm ab. »Hast du es mir zuliebe getan, Josephine?« lächelte er.