Ein leiser Spott klang ihr aus der Frage entgegen. Sie zuckte mit den Brauen und entzog ihm schnell ihre Hand. »Euch zuliebe? o nein, Junker Ernst!« erwiderte sie stolz. »Ich habe noch einen anderen Grund außer dem, den ich Euch schon sagte. Die drei Fräulein von der Minneburg haben mich als Mädchen erkannt.«

Er erschrak. »Und du hast es ihnen eingestanden?«

»Ich konnte nicht anders. Als Ihr noch einmal zurückkamt und mir die Bestellung an sie auftrugt, hatte ich meinen Rock abgestreift und nahm mir nicht Zeit, ihn wieder anzuziehen, um nur die Fräulein noch schnell einzuholen; da sahen sie's mir an, daß ich kein Mann bin.«

»Das ist mir nicht lieb,« sprach er unmutig. »Ich nannte dich Joseph und meinen Freund.«

»Und das war den vornehmen Fräulein gegenüber der Ehre zuviel für ein Judenmädchen, nicht wahr?«

»Josephine!« entgegnete er vorwurfsvoll, »ich denke, ich gab dir Beweise meiner Freundschaft. Übrigens – fast hätte ich es über deinem Anblick vergessen – Ohm Hans erwartet dich zum Schachspiel. Ich bitte dich, geh zu ihm und vertreibe ihm die Zeit; überzeuge dich auch, ob Williswinde die Umschläge richtig macht. Dein Vater ist nicht hier, aber du sagtest mir, du hättest ihm bei der Pflege Verwundeter manches abgesehen.«

»Kommt Ihr auch mit zu dem Schachspiel?« frug sie schnell mit einem Augenaufblitz.

»Ich komme vielleicht später nach. Aber was sagst du den Meinigen, wenn sie dich nun als Mädchen sehen?«

»Die Wahrheit,« erwiderte sie; »also den Willen und die Gründe meines Vaters und was ich Euch sonst darüber gesagt habe. Ich gehe jetzt zu Junker Hans und werde ihn pflegen, so gut ich vermag.« Sie warf ein dunkles Tuch über die Schultern und verließ das Gemach.