Bligger aber las den Brief.

»Aha! Elisabeth von Erlickheim!« rief er aus, als er soweit gekommen war. Dann las er schweigend zu Ende und gab das Schreiben seinem Sohne zurück.

Im Zimmer auf und nieder schreitend sprach er in abgerissenen Sätzen halb zu Ernst, halb zu sich selber: »Elisabeth ist Bödigheims Schwester. Aber wie hat sie's nur so schnell erfahren? – Halt! Lauffen! ja, ja, das ist so ein Freundschaftsstückchen von unserem lieben Gaugrafen. Er hat nicht, wie er vorgab, den Schwerverwundeten nach Dauchstein begleitet, sondern ist nach Stolzeneck getrabt, hat es Erlickheims erzählt, daß Hans den Bödigheim niedergestreckt hat; Elisabeth, in der Wut über das Unglück ihres Bruders, hat es sofort Julianen hinterbracht, und Engelhard kommt nun mit der Nachricht zu spät. – Aber Kreuzhageldonnerschlag! wenn uns Juliane darum absagt, dann liebt sie ja nicht Hans, sondern den Dauchsteiner! – Hm! hm! was nun? – Ernst!« wandte er sich, vor seinem Sohn stehenbleibend, zu diesem, »ich muß dir auch etwas anvertrauen, was du aber vor jedermann streng zu verschweigen hast, auch vor Ohm Hans. Kann ich mich darauf verlassen?«

»Unbedingt, Vater!«

»Also höre! Wir hatten gehofft und hoffen es noch, daß sich Ohm Hans mit Frau Juliane ehelich verbinden würde, und glaubten schon, daß sie sich beide liebten.«

Ernst schüttelte den Kopf und sagte: »Das glaube ich nicht, Vater. Als ich Ohm Hans einmal von meiner Liebe zu Richilde sprach, wurde er fuchswild und schilderte mir das Eheleben als die Hölle auf Erden.«

»So! hm!« machte Bligger, »also immer noch die alte Litanei!« Dann machte er wieder ein paar Schritte auf und ab, blieb wieder stehen und sprach: »Ernst, du reitest übermorgen nachmittag nach der Schmiedeschenke und siehst zu, was du über den Umschlag in Frau Julianens Stimmung aus den Mädchen herauskriegen kannst. Ich hoffe trotz allem, daß wir die Sache noch in Ordnung bringen, auch die deinige.«

»Ich werde tun, was du begehrst, Vater,« sprach Ernst und ging halbwegs getröstet hinaus. Aber in seinem Herzen saß neben der Sehnsucht die Sorge und trieb ihn an, über Entschlüssen und Plänen zu brüten, wie er sich mit eigener Kraft zu seinem Glücke verhelfen könnte.

Nach ihm verließ auch Bligger das Gemach, um Frau Katharina in alles einzuweihen. Beim Hinausschreiten brummte er in den Bart: »Hat mich der Jude mit Julianens Horoskop betrogen, so laß ich ihn baumeln!«