»Mir auch,« stimmte Richilde leise zu.
»Gut, das will ich gern annehmen,« sprach er. »Aber weiter! Ihr habt hier in einem fremden Forste gejagt, in welchem euch der Wildbann nicht zusteht. Dieser Wald gehört meinem Vater und dessen Brüdern. Wußtet ihr das vielleicht auch nicht?« Er richtete die Frage zumeist an Richilde, die er dabei streng anzublicken versuchte. Allein in seinen Augen funkelte etwas Schalkhaftes, und seinen Ton durchzitterte ein ganz anderes Gefühl, als Unmut und richterliche Strenge.
»Darin irrt Ihr Euch, Junker Ernst!« fuhr Richilde nun auf. »Dieser Wald gehört zur Minneburg und ist den Herren von Steinach nur verpfändet, und vom Wildbann wissen wir nichts. Wir kamen her, um Eichhörnchen zu schießen, die den Singvögeln die Nester zerstören. Da sahen wir in der Buche hier einen Reiher sitzen, und ich schoß den Vogel, weil ich seine schönen, weißen Federn liebe.«
»Das glaub' ich Euch, Fräulein! ich liebe sie auch,« entgegnete er. »Aber wer sich mit der Armbrust auf fremdem Jagdgebiet betreten läßt, ist schwerer Buße verfallen.«
»Ei so gebt uns doch den Wald wieder heraus!« rief sie. »Wir hätten ihn schon längst gern wieder eingelöst; das ist ein Lieblingswunsch meiner Mutter, den sie schon oft gegen mich geäußert hat.«
»So? hat sie das wirklich?« sprach er nachdenklich. »Nun, dazu kann ja wohl Rat werden; aber so lange dieser Wunsch Eurer edlen Mutter nicht erfüllt ist, so lange ist es Jagdfrevel, wenn Ihr hier etwas schießt, und ich muß Euch dafür in Pfand nehmen.«
»Aber Ernst!« sagte Sidonie, »ein Reiher ist doch kein Hirsch von zwanzig Enden.«
»Freilich nicht,« erwiderte er, »ein Reiher ist aber auch ein jagdbar Tier, und ich will ja Fräulein Richilde nicht gleich die Hand abhauen, mit der sie die Armbrust spannte, aber ein Pfand muß sie mir geben zum Zeugnis des Ertapptseins oder auch nur zum freundlichen Gedächtnis an diese Stunde.«
»Und wenn ich mich dessen weigere?« frug Richilde neckisch.