»Ist das dein letztes Wort, Juliane?« frug er drohend.
»Ja!« sagte sie trotzig und ohne sich umzuwenden.
»Dann lebewohl!« – Und klirrenden Schrittes ging er hinaus.
Einundzwanzigstes Kapitel.
An der Schmiedeschenke um den Tisch unter der Eiche saßen Ernst und die drei Fräulein von der Minneburg. Unter der Eiche saßen sie wie damals unter der Reiherbuche in eingehender Beratung, was nun, nach den Vorgängen der letzten Tage und dem Schwinden jeder Hoffnung auf Julianens Nachgiebigkeit, geschehen sollte, um die beiden Liebenden zu ihrem Glücke zu vereinigen.
Sidonie hatte gestern abend noch ihren Vater gesprochen. Dieser hatte ihr das Wesentlichste von seiner Unterredung mit Julianen anvertraut und sie genügend darüber aufgeklärt, weil sie ihm sagte, daß sie am nächsten Nachmittag Ernst sehen würde, der ja seinem Vater die nötigen Mitteilungen machen könnte, ohne daß Ohm Hans davon erführe. Auch die Veranlassung zu Hansens Zweikampf hatte Engelhard seiner Tochter nicht verschwiegen und ihr endlich geboten, nach Zwingenberg auf die väterliche Burg zurückzukehren, zugleich aber Sidoniens Bitte, ihre beiden Freundinnen Hiltrud und Richilde mitbringen zu dürfen, gern gewährt. Alle drei waren mit einem Wechsel ihres Aufenthalts sehr einverstanden, denn auf der Minneburg war ihnen unter der Herrschaft von Julianens gegenwärtiger Stimmung das Leben verleidet, soviel sie auch von der sich immer mehr Abschließenden sich selber überlassen waren. Als ihr Sidonie heute morgen den Befehl ihres Vaters, nach Hause zu kommen, und ihren Wunsch, die beiden Freundinnen mitzunehmen, vorgetragen, hatte Juliane mit einem schroffen »Meinetwegen!« sofort zugestimmt, froh, mit ihrem Groll und ihrem Schmerz eine Zeitlang allein bleiben zu können.
Dieser Umstand kam dem Plane sehr zu statten, den sich Ernst ausgesonnen hatte und der nichts Geringeres besagte, als Richildens Entführung.
Er hatte sich des Wortes erinnert, das Ohm Hans hier an dieser Stelle zu ihm und Laux Rapp einmal gesprochen hatte, des Inhaltes, daß sein guter Freund, der Abt von Sinsheim, ihm alles zu Liebe täte, was er von ihm verlangte.