»Ohm Hans! Du willst mich im Stich lassen?!« frug Ernst vorwurfsvoll.

»Erwartest du etwa, daß ich mich zu deinem Mitschuldigen mache?« entgegnete Hans im Tone strenger Zurechtweisung. – »Was sagst du dazu, Meinhard?«

»Ich habe bereits erklärt, daß ohne Einwilligung von Fräulein Richildens Mutter nicht daran zu denken ist,« erwiderte der Abt.

»Recht so!« bestätigte Hans, »das ist auch meine Meinung. Und nun? was wird nun, Junker Tollkopf?«

»Was nun wird? das will ich dir sagen, Ohm Hans!« rief Ernst schnell dem Ausgange zuschreitend und Richilde an der Hand mit sich ziehend. »Ich erkläre Richilde hiermit für meine Gefangene, reite spornstreichs mit ihr nach Neckarsteinach und halte sie dort mit Genehmigung meines Vaters so lange fest, bis man uns erlaubt, zu heiraten!«

»Nicht von der Stelle!« schrie Hans und pflanzte sich groß und breit vor der Tür auf, um den abermals Fluchtbereiten den Weg zu vertreten. »Ich reite mit und werde euch die Wege schon weisen, die ihr zu nehmen habt, werde euch auf die Minneburg bringen und mit Frau Juliane sprechen, zu euren Gunsten sprechen, wenn ihr es nun einmal nicht anders haben wollt. Aber mehr kann ich nicht tun.«

»Das wird hübsch werden!« kicherte Sidonie, »auf den Empfang dort –«

»So laß uns aufbrechen! – kommt!« rief Ernst.

»Heute wird hier geblieben!« gebot Hans. »Denkt ihr, ich will den weiten Ritt umsonst gemacht haben? Ich und mein Roß haben Hunger und Durst, und im Kloster Sinsheim hat noch keiner Not gelitten, der zur rechten Stunde gekommen ist; mir gefällt es gut hier.«

»Das scheint so,« spottete Ernst; »darum sollst du auch einmal dein Glück im Kloster finden.«