»Die Waldnymphen werden dich jetzt zu deinem Rosse geleiten; kommt!« rief Hiltrud.
Sie machten sich, von ihm geführt, auf den Weg und gingen fröhlich plaudernd im Walde dahin. Hiltrud bückte sich öfter nach einer Blume, band ein Sträußchen und steckte es dem Jugendfreunde eigenhändig vorn an das Wams. »Damit du auch von mir nicht leer ausgehst!« sagte sie; »wenn sie verwelkt sind, wirf sie weg!«
»Werde mich hüten! – da steht ja mein Brauner!« rief er, als er seines Pferdes ansichtig wurde.
Sie schritten darauf zu, und während er den Zügel vom Baume löste, umstanden es die Mädchen, betrachteten es wie mit Kenneraugen und lobten und streichelten das mutige Tier. Richilde klopfte ihm zärtlich den Hals und wandte fortan den Blick nicht mehr von Ernst, als er sich aufgeschwungen hatte und mit ritterlichem Anstand im Sattel saß. Er reichte mit freundlichen Abschiedsworten jeder die Hand, zuletzt Richilden, die er dafür desto länger festhielt. Dann ritt er grüßend ab und war bald hinter Busch und Baum den Blicken der Nachschauenden entschwunden.
Die Mädchen begaben sich zu der Buche zurück, und sich die Armbrust am Riemen über den Rücken hängend sagte Richilde: »Laßt uns nach Hause gehen, daß wir die Mittagszeit nicht versäumen.«
Hiltrud nahm den Reiher, und so gingen sie in der Richtung, wo die Minneburg lag.
Richilde war unterwegs wortkarg und in sich gekehrt, aber schwerlich fühlte sie Reue über den verübten Jagdfrevel, denn sie lächelte zuweilen still und verstohlen.
Auch Ernst kam während seines einsamen Rittes das ergötzliche Abenteuer mit den drei schönen Burgfräulein nicht aus dem Sinn, und er pries den Einfall, Frau Julianens verpfändeten Wald zu besuchen, als einen sehr glücklichen. Auch er gedachte noch einmal der lustigen Einzelheiten bei seinem Rettungswerke in der großen Buche, das mit der schlank gewachsenen, aber voll und kräftig gebauten Sidonie wahrlich kein leichtes Stück gewesen war. Am lebendigsten aber stand ihm Richildens holdselige Erscheinung vor Augen; wiederholt rief er sich die wenigen Worte, die sie zu ihm gesprochen, in das Gedächtnis zurück und beklagte das Zerwürfnis ihrer Mutter mit seiner Familie, das allen Verkehr unter ihnen abgeschnitten hatte, und dem er, wenn er könnte, gern ein versöhnendes Ende machte.
Kurz vor Mittag traf er auf Burg Zwingenberg ein und richtete seine Botschaft an Herrn Engelhard von Hirschhorn aus, konnte ihm aber über den Zweck der gemeinsamen Beratung keine Auskunft geben.