»Ja, was geht denn bei euch vor?« frug Herr Engelhard, »sollen wir in Wehr und Waffen kommen, gerüstet und schlagfertig?«
»Weiß ich auch nicht!« gab Ernst, verdrossen über seinen unverschuldeten Mangel an Kenntnis der Sachlage, dem Ritter zur Antwort.
Bei dem Mittagsmahle der Familie an welchem Ernst auf die Einladung seiner Wirte teilnahm, kam das Gespräch auch auf Sidonie. Ihre Großmutter, Frau Margarete von Handschuchsheim, frug Herrn Engelhard mit spitzem Tone, wobei sich die Falten ihres bleichen, scharf geschnittenen Gesichts zwischen den Augenbrauen und an den Nasenflügeln merklich vertieften, wie lange er seine Tochter noch auf der Minneburg zu lassen gedächte.
»So lange es ihr dort gefällt,« gab Engelhard seiner Schwiegermutter kurz und bestimmt zur Antwort.
»Da werden wir sie wohl etwas verwildert wiederbekommen,« bemerkte die Dame mit herausfordernder Miene.
»Wieso, Frau Schwieger?«
»Nun, man weiß ja, wie es auf der Burg der Minne bei den lustigen Damen, die dort hausen, zugeht.«
»Was wißt Ihr davon?« frug Engelhard gereizt.
»Gesehen hab' ich's nicht, aber desto mehr davon gehört, mit welch übermütigen Ergötzungen sie sich die Zeit vertreiben,« erwiderte sie.
»Wollt Ihr denn niemals der Jugend ihr Recht gönnen?« fuhr er barsch heraus.