»Nicht so schnell, gnädige Frau!« sprach der Abt, »laßt uns erst ruhig miteinander reden.«
Aber kaum hatte auch er sich gesetzt, als sich die Tür auftat und Hans und Sidonie herein traten.
Juliane sprang auf. – »Was?! – ihr hier?! Wollt ihr beiden euch vielleicht auch hier – Ah nein! das tut der Ehehasser nicht!« lachte sie höhnisch. »Zwei Landschaden entführen ein Mädchen! welch Meisterstück! Und du, du bist die Helferin!« rief sie, mit der ausgestreckten Hand auf Sidonie weisend.
»Seid mir gegrüßt, Frau Juliane!« sprach Hans erregt, »und laßt Euch sagen, daß ich Eure Tochter nicht entführt habe. Im Gegenteil, ich verdamme die verwegene Tat meines Neffen ebenso entschieden wie Ihr und mein hochwürdiger Freund hier und bin den Flüchtigen nur nachgesetzt, um sie mit Gewalt zurückzuholen.«
»Wer Euch das glauben soll!« erwiderte sie spöttisch.
»Es ist so, gnädige Frau!« bestätigte der Abt.
»Ihr hättet Euch den Weg sparen können,« fuhr Hans fort; »denn morgen hätte ich Euch Eure Tochter nach der Minneburg zurückgebracht.«
»Ihr habt nichts davon gewußt?« frug sie noch einmal zweifelhaft.
»Nicht das geringste!« versicherte er. »Erst heute Morgen erfuhr ich's durch einen Brief von Ernst. Sie haben sich wohl gehütet, mich vorher einzuweihen.«
»Ich kann's bezeugen,« sagte Sidonie nun. »So dumm sind wir nicht,« setzte sie leiser hinzu.