Juliane überhörte das. Sie stand und blickte unwillig auf Hans, daß sie nicht ihren Zorn an ihm auslassen konnte, weil er schuldlos war. Er sah bleich aus, und jetzt erst bemerkte sie eine große, kaum verharschte Wunde an seiner Stirn. Natürlich dachte sie, der Raufbold kann nicht Frieden halten. Wen mögen sie wieder auf der Landstraße niedergeworfen haben, daß er den Denkzettel davon hat?

Ein Laienbruder war erschienen, hatte dem Abt einen Wink gegeben und einen leisen Auftrag von ihm erhalten.

»Wenn es Euch nun gefällig ist, gnädige Frau,« sprach der Abt –

»Zu Richilde? nein! jetzt mag ich sie nicht sehen,« wehrte sie ab, »und noch weniger den Junker – den Entführer!«

»Braucht Ihr auch nicht,« sagte Hans. »Sie werden Euch nicht eher vor die Augen kommen, als bis Ihr sie rufen laßt.«

»Ich wollte Euch nur in unser Speisegemach führen,« ergänzte der Abt; »ein leichter Imbiß wird Euch wohltun.«

»Ach ja! das wird er,« hauchte sie. »Ich bedarf einer Stärkung; meine Kraft geht zu Ende.«

»Gerettet, Ohm Hans!« flüsterte Sidonie. »Wer essen kann, mit dem läßt sich fertig werden.«

Hans nickte ihr lächelnd zu.

»Und nicht wahr, gnädige Frau?« fuhr der Abt fort, indem sie sich anschickten, das Sprechzimmer zu verlassen, »Ihr bleibt heute bei uns und ruht Euch aus, und morgen macht Ihr Euren Frieden mit Eurer Tochter; aber vorher bitte ich noch um eine Unterredung mit Euch.«