»Ich nehme Eure Gastfreundschaft mit allem Dank an, hochwürdiger Herr!« erwiderte sie. »Aber dürft Ihr denn Frauen im Kloster beherbergen?«
»Eigentlich nicht,« sprach der Abt; »aber in Fällen der Not ist es uns gestattet. Kranken oder Verwundeten, Verirrten und Wegmüden öffnen wir aus christlicher Barmherzigkeit unsere Tür Tag und Nacht. Euch rechne ich zu den Wegmüden,« fügte er lächelnd hinzu; »oder seid Ihr das nicht?«
»Doch! doch! ich wäre wirklich nicht imstande, heute wieder zurückzureiten,« sagte sie.
»Es ist auch schon zu spät dazu; die Nacht würde Euch überfallen.«
»Morgen reiten wir zusammen, Frau Juliane!« sprach Hans. »Ich geleite Euch nach der Minneburg.«
»Bemüht Euch nicht! ich habe Geleit genug bei mir,« gab sie ihm kühl abweisend zur Antwort.
»Habe schon gehört, – vier Mann im Harnisch!« lachte Hans. »Meinhard, Mann des Friedens, wird dir nicht bange vor solcher Kriegsmacht?«
»Ich habe es mit Landschaden zu tun!« versetzte sie scharf.
»Die Landschaden schlagen sich wohl für Euch, aber nicht gegen Euch, Frau Juliane!« erwiderte Hans beleidigt.
»Was wollt Ihr damit sagen?« warf Juliane hochmütig über die Schulter.