Josephine trat ein, in männlicher Kleidung, mit ihrem langen Rock angetan, verbeugte sich und wartete auf Julianens Anrede, um daraus zu entnehmen, ob die Burgherrin ihr wahres Geschlecht kannte oder nicht.
»Du bist der Sohn Meister Isaak Zachäus' und bringst mir Botschaft von deinem Vater?« sprach Juliane.
»So ist es, edle Frau!« erwiderte Josephine. »Aber ehe ich die Botschaft ausrichte, müßt Ihr mir fest und sicher geloben, jedermann zu verschweigen, von wem Ihr sie habt.«
»Ich gelobe dir's, mein Wort darauf!« sagte Juliane.
»Wohlan, gnädige Frau, so hört, was ich Euch zu verkünden habe,« begann die Falsche. »Die Sterne haben in dieser Nacht meinem Vater vertraut, daß die Gefahr, die Eurer Tochter außerhalb der Burg drohte, nun eingetreten ist.«
Juliane schrak auf. »Barmherziger Gott! was ist geschehen? sprich! verhehle mir nichts!«
»Junker Ernst Landschad hat Eure Tochter entführt.«
»Entführt?! geflohen mit ihr? – nicht nach Zwingenberg? – oh! – oh! – was hab' ich getan, daß ich sie aus der Burg hinausließ!« stöhnte Juliane ihr Antlitz verhüllend. – »Wann? wohin?« frug sie dann in schnell aufflammendem Zorn.
»Gestern Nachmittag, nach Kloster Sinsheim, um sich dort mit ihr trauen zu lassen,« sprach ohne Zögern die Verräterin.