»Ganz sicher!« erwiderte schnell Sidonie mit funkelnden Augen.
»Aber wenn man uns sähe?«
»Auch das hab' ich bedacht,« sprach Sidonie in freudigem Eifer. »Das Mönchsgewand dort, wie in jeder Zelle sich eines findet, schützt Euch und macht Euch unkenntlich. Ihr hüllt Euch hinein, zieht die Kapuze über das Haupt; Richilde wird das Gleiche tun und sollte euch dann doch ein einsamer Zellenbewohner von seinem Fenster aus bemerken, so wird er euch für zwei vertraute fromme Brüder halten, die sich noch ein wenig im Mondschein ergehen, und wird die kleine Übertretung der Klosterregel nicht gleich dem Abte melden. Seid Ihr bereit, Juliane?«
»Ich weiß nicht, ob ich soll oder nicht soll,« erwiderte Juliane mit einem argwöhnischen Blick. »Ich traue dir nicht mehr.«
»Hab' ich Euch nicht immer gut geraten? Hattet Ihr's schon jemals zu bereuen, mir gefolgt zu haben?« sagte Sidonie schmeichelnd. »Juliane! wenn Ihr mir heute nachgebt, – morgen werdet Ihr es mir Dank wissen!«
»Nun, so mag es sein!« sprach Juliane. »Du hast eine Art, zu überreden, der man nicht widerstehen kann; ich glaube dir, daß du die Verführerin meiner Tochter bist, denn du bringst einen zu jeder Torheit.«
»Ich will ja nichts, als Euer Glück,« sagte Sidonie, innerlich frohlockend.
»Aber wie komm' ich hinab?« frug Juliane noch.
»Ihr wendet Euch auf dem Gange draußen nach links; dort gelangt Ihr an eine Treppe, die zum Kreuzgang führt. Es ist noch nicht voller Mondschein, aber hell genug, daß Ihr nicht fehlen könnt. Im Kreuzgang an der Kirchenseite ist eine steinerne Bank; da wird Euch Richilde erwarten. Öffnet der schwarzen Gestalt dort die Arme, kommt der tief Verzagten rasch und liebevoll entgegen; Ihr werdet ein treues, liebendes, sehnendes Herz an das Eure drücken. Gute Nacht! und gut Heil auf den Weg!«