Sidonie huschte hinaus. »Ah!« machte sie draußen, »das war kein leichtes Stück. Nun gebe der Himmel, daß es glückt!«

Juliane nickte, als sie wieder allein war, still vor sich hin: »Sie hat Recht. Richilde ist die Verführte, ist mein einziges Kind, – niemand hab' ich, als sie. Mit rasch verzeihender Liebe will ich sie an mein Herz ziehen, schnell, heiß, ohne Worte.«

Sidonie ging wieder in das Refektorium, wo Hans mit dem Prior beim Schachspiel saß. Der Abt hatte sich zurückgezogen. »Ohm Hans, auf ein Wort! Verzeiht, hochwürdiger Prior!«

Sie nahm Hans mit sich in einen Winkel der geräumigen Halle und flüsterte: »Ohm Hans, Richilde möchte dich gern heut abend noch sprechen. Sie will dich bitten, bei ihrer Mutter ein gut Wort für sie einzulegen, und hat dir besondere Aufschlüsse zu geben.«

»Besondere Aufschlüsse?«

»Ja, die sie nur dir vertrauen will.«

»Hm! muß es denn gleich sein? Hat es nicht Zeit bis morgen?«

»Gleich muß es nicht sein, aber bis morgen hat es auch nicht Zeit. Sobald die Nachtglocke geläutet hat, will Richilde dich im Kreuzgang erwarten; sie bittet dich dringend, daß du kommst.«

»Wenn's sein muß,« brummte Hans.