»O abscheulich! eine Falle!« rief Juliane voller Entrüstung.

»In die ich auch gegangen bin,« sagte Hans ebenso bestürzt. »Ich erwartete hier Eure Tochter Richilde.«

»Ich auch,« erwiderte Juliane, fast noch atemlos vor Schreck.

»Ihr auch?« frug Hans.

»Wollt Ihr noch unschuldig und verwundert tun?« zischte sie. »Ihr habt mich durch Sidonie hierher locken lassen unter der Vorspiegelung, Richilde wollte mich um Verzeihung bitten. Gesteht es!«

»Ich Euch hergelockt?« sprach Hans. »Nein, bei Gott nicht! Auch mich hat Sidonie herbestellt mit dem Vorgeben, Fräulein Richilde wünschte mich hier zu sprechen.«

»Sidonie! und immer Sidonie! – O sie soll es büßen, die über alle Maßen Kecke!« zürnte Juliane, eine Bewegung zum Rückzug machend.

»Bleibt hier, Juliane!« bat Hans und streifte die Kapuze zurück, daß sein Kopf frei wurde. »Wir haben uns lange nicht gesprochen; kommt! setzt Euch zu mir; ich muß Euch fragen, was Ihr gegen mich habt. Wir schieden zuletzt auf der Minneburg als gute Freunde, und nun seid Ihr gegen mich kalt, abweisend, schnöde, als hätte ich Euch schwer beleidigt. An der Entführung Eurer Tochter bin ich so unschuldig wie Ihr. Sagt mir: was ist vorgefallen? was habe ich Euch getan?«

»Das wagt Ihr noch zu fragen?« herrschte sie ihn an, doch immer im Flüsterton sprechend. »Nun, so vernehmt und sinkt vor Scham in den Boden: ich kenne das Recht der Hagestolze und weiß, was Ihr damit gegen mich im Sinn habt!«