Nach kurzem Besinnen erwiderte Juliane: »Wenn ein Hagestolz eine Frau liebt, mit ganzer Seele liebt, so soll er sie zu seinem Weibe machen, und sie soll ihm alles, was sie weiß und kann, zuliebe tun und ihn so grenzenlos glücklich machen, – wie er es gar nicht verdient. Das ist das Recht der Hagestolze.«

Er merkte wohl, daß sie mit dieser scherzhaften Erklärung etwas umging, was sie ihm in diesem Augenblick nicht offenbaren wollte, und drang deshalb nicht weiter in sie, sondern sagte: »Nun, so wollen wir den grimmen Ehehaß so tief begraben, daß seine Auferstehung unmöglich ist.«

»Wir setzen ihm ein Denkmal, Hans!« lächelte sie.

»So? was denn für eins, Liebchen?« frug er vorwitzig.

»Stille, du Loser!« rief sie errötend und schloß ihm den Mund. »Komm!« sprach sie dann, »laß uns aufbrechen, ehe wir noch hier entdeckt werden; die Nacht ist fast tageshell vom Monde. Jeder gehe in seine Zelle und schlafe, wenn er schlafen kann!«

»Und morgen lassen wir uns beim Abte melden,« sagte Hans, »und Sankt Rucho und Sankt Trotto müssen einen Hochzeitsschmaus zum besten geben, von dem die Chronika des Klosters mit roten und blauen Buchstaben, unsere Namen mit Gold geschrieben, erzählen soll!«

»Morgen, morgen!« flüsterte sie an seiner Brust.

Endlich rissen sie sich los und trennten sich und begaben sich, jeder seines Glückes voll, in ihre Zellen. –

Juliane hatte, während sie sich entkleidete, fast Mühe, ihre Gedanken zu sammeln, und sie hätte das Erlebte für einen holden Traum gehalten, hätte ihr nicht das Mönchsgewand, das nun dort auf dem Bette lag, die Wirklichkeit des Geschehenen bezeugt.