»Meinhard,« begann Hans ziemlich befangen, »du hast recht und wohl getan, daß du die beiden törichten Kinder ohne die Zustimmung ihrer Eltern nicht trauen wolltest. Aber wenn nun zwei Menschen zu dir kämen, die nicht Vater und Mutter mehr haben und mündig sind und zu dir sprächen: Hochwürdigster Abt, habt die Gnade und legt unsere Hände mit dem Segen des Himmels ineinander, daß wir Mann und Frau werden, – was würdest du dann tun?«

Der Abt blickte verwundert von Hans auf die errötende Juliane und von Juliane auf den glückstrahlenden Hans und sagte lächelnd: »Dann würde ich mir den Bruder Sakristan kommen lassen und ihm befehlen: Heute nach dem Hochamt sollen alle Glocken läuten und alle Kerzen brennen, denn ich will meinen Freund Junker Hans Landschad von Steinach und Frau Juliane Rüdt von Kollenberg am Altar des Herrn für Zeit und Ewigkeit zusammengeben.« Und den beiden die Hände reichend fügte er freudig bewegt hinzu: »Glück und Segen eurem Bunde! Das ist das Klügste, Hans, was du je in deinem Leben getan hast, und Ihr, gnädige Frau, werdet es sicher nie bereuen, diesen verstockten Junggesellen, dem ich lange genug das Evangelium der Liebe gepredigt habe, endlich zu seinem Heile bekehrt zu haben.«

»Ich will es hoffen, hochwürdiger Herr!« erwiderte sie schalkhaft mit einem vollen Blick auf den Geliebten.

»Also der Bruder Sakristan soll kommen,« sprach Hans; »aber die würdigen Brüder Rucho und Trotto doch auch, nicht wahr?«

»Die auch,« lächelte der Abt, »aber vorher wohl noch zwei andere. Frau Juliane, was habt Ihr über Eure Tochter und Junker Ernst beschlossen?«

»Ich werde hier in Eurer Gegenwart meine Zustimmung zu ihrem Verlöbnis geben,« sagte Juliane, »und noch ehe der erste Schnee auf den Dächern liegt, bitte ich Euch, hochwürdiger Herr, mein Gast zu sein und in der Kapelle der Minneburg die beiden zu trauen.«

»Seid gelobt und gedankt für diesen Entschluß!« sprach der Abt. »Wissen sie es schon?«

»Nein.«

»So will ich sie rufen lassen.« Er zog an einem Glockenstrange und befahl dem eintretenden jungen Mönch, Junker Ernst und Fräulein Richilde freundlichst hierher zu entbieten.