»Nun ja,« sagte Hans; »es bleibt mir ja nichts anderes übrig, als es durch Heiraten zu bannen, damit es wenigstens nicht unter einem Dache mit euch haust.«
»Schwiegermuttergespenst und gebannt werden! echt hagestolz!« lacht Juliane.
»Als dein Mann, Juliane, werde ich mich bessern,« gelobte Hans.
»Wann macht ihr Hochzeit?« frug Sidonie.
»Heute nach dem Hochamt werden Junker Hans und Frau Juliane Mann und Frau,« sprach der Abt, da die beiden Beteiligten plötzlich schwiegen.
»Heute hier? im Kloster? O bewahre! das geht nicht, da wird nichts draus!« sagte Sidonie. »Wir wollen eine große, feierliche Hochzeit auf der Minneburg haben voll Pracht und Prunk, mit Spiel und Tanz und festlicher Kurzweil. Alle Landschaden müssen dabei sein, alle Hirschhorns, Erbachs, Erlickheims und alles, was auf den Neckarburgen sitzt. Wenn Juliane von der Minneburg und Ohm Hans Hagestolz heiraten, so muß das mit allem erdenklichen Glanz geschehen, und dazu gebrauchen wir Vorbereitungen, die Wochen und Monde in Anspruch nehmen.«
Hans und Juliane sahen sich betreten an. Hans wußte nicht, was er darauf erwidern sollte; Juliane jedoch, Purpurglut im Antlitz, entschied: »Wir wollen das später bei Richildens Hochzeit nachholen; ich aber werde heute hier im Kloster Frau Landschad von Steinach. Wie dürfte ich sonst, meinem Eide treu, in Ernsts und Richildens Verlöbnis willigen?!«
»Ja so!« lachte Sidonie mit einem verständnisvollen Blick in Julianens leuchtende Augen. »Ja freilich, dieser einzige Grund ist schlagend; daran dachte ich nicht. Hochwürdiger Herr,« wandte sie wichtigtuend sich an den Abt, »dann laßt das Hochamt nur recht bald seinen Anfang nehmen, Ernst und Richildens wegen! Aber da wir beide die einzigen nicht Verliebten hier sind, so dürfen wir auch Hunger haben; ich glaube, im Refektorium wartet das Frühmahl auf uns. Und nachher, Richilde, winden wir Blumenkränze für das Brautpaar Hans und Juliane. Himmel! was wird Ohm Bligger dazu sagen!«
»Kommt Freunde!« sprach der Abt sogleich, »Fräulein Sidonie hat Hunger.«