Josephine, in ihrem Schrecken, sich als Verräterin entlarvt zu sehen, versuchte nicht zu leugnen, sondern gestand unumwunden: »Junker Ernst hat mir anvertraut, daß er Fräulein Richilde nach dem Kloster Sinsheim entführen und sich dort mit ihr trauen lassen wollte.«
»Kreuzhageldonnerschlag!« platzte Bligger los. – »Es ist gut, wir wissen genug,« wandte er sich dann zu Josephine, die froh war, so schnell wieder loszukommen, und flugs aus dem Zimmer verschwand.
»Engelhard! Käthe! was sagt ihr dazu?« fuhr Bligger fort. »Nun ist's aus, alles aus. Jetzt macht euch, wenn ihr könnt, eine Vorstellung von Julianens Wut auf uns Landschaden! Erst werfen wir ihren Gatten nieder, legen ihn ein und nehmen ihm einen Wald ab. Dann schlägt Hans ihren Freier Bödigheim dreiviertel tot –«
»Das weiß sie ja noch gar nicht,« fiel Engelhard ein.
»Desto schlimmer! – Dann erfährt sie, daß wir sie mit Hans verheiraten wollen, damit sein Erbe nicht dem Hagestolzenrecht verfalle, und endlich entführt Ernst ihre einzige Tochter. Wenn da nicht die Schale ihres Zornes überläuft, so trägt sie ein Taubenherz in der Brust. Glaubt ihr, daß sie jetzt noch Lust hat, eines Landschaden Frau zu werden?«
»Ach nein,« lächelte Katharina. »Ich hätte an weniger als der Hälfte davon genug, um diese Lust zu verlieren. Ob sie nun wohl in Sinsheim ist?«
»Sicher! und Hans auch!« sagte Bligger.
»Na,« lachte Engelhard, »wenn die beiden da zusammentreffen, dann kann es gut hergehen! Da müssen wir hin, Bligger!«
»Das versteht sich!« erwiderte dieser. »Du bleibst die Nacht hier, und morgen in aller Frühe reiten wir.« –
Josephine begab sich stehenden Fußes von dem Gemach des Burgherrn zu ihrem Vater und erklärte ihm mit einem heiligen Schwur: wenn er nicht auf der Stelle mit ihr aufbräche und von hinnen zöge, so würde sie allein gehen, und er würde sie niemals wiedersehen.