Eine Stunde später schritten Isaak Zachäus und sein Sohn Joseph aus dem Tore der Mittelburg, und der Torwart, der nicht annehmen konnte, daß es ohne Wissen und Willen seines Herrn geschehe, versperrte ihnen den Weg nicht. Schweigend und kummervoll wanderten und wanderten sie ohne Rast durch die stille Mondnacht dahin, und im Neckartal sah man sie niemals wieder. –
Am nächsten Vormittag langten Bligger und Engelhard bei der Abtei Sinsheim an. Die Glocken läuteten, und Bligger erhielt auf seine Frage nach der Bedeutung der feierlichen Klänge vom Bruder Pförtner, der keinen der beiden Ritter kannte, den Bescheid: »Ein Landschad von Steinach wird mit einer Rüdt von Kollenberg getraut; sie sind schon in der Kirche.«
Die Freunde blickten sich kopfschüttelnd an. »Engelhard,« sagte Bligger, »das Raten und Prophezeien geb' ich auf. Jetzt kann kommen, was will; ich bin auf alles gefaßt.«
»So geht's mir auch,« erwiderte Engelhard, »und du kannst noch von Glück sagen, daß du, wenn auch als ungebetener Gast, zur Hochzeit deines Sohnes noch eben zurechtkommst.«
Mit leisen Schritten betraten sie die Kirche; aber auf den Anblick, der sich ihnen hier darbot, war Bligger doch nicht gefaßt gewesen.
Die Mönche waren versammelt und sangen einen lateinischen Hymnus. Am Altar, auf dem alle Kerzen brannten, im großen Ornat, angetan mit den Zeichen seiner Würde, stand der Abt, Herr Meinhard von Angeloch, und vor ihm das zum Empfange des Segens bereite Brautpaar. Aber dieses Brautpaar waren nicht Ernst und Richilde, sondern Hans und Juliane.
Beide hatten Kränze auf den Häuptern, und von Julianens Schultern wallte lang herab ein prächtiger Mantel von hellblauer Seide, mit Zobel besetzt und reich mit Gold bestickt, den Sidonie heimlich für Richildens Trauung mitgenommen hatte.
Engelhard rieb sich die Augen und Bligger sagte: »Engelhard, tu mir die Liebe und wecke mich! ich träume zu verrücktes Zeug.«
»Ich bin verhext,« erwiderte Engelhard.