Frau Anna, des Ritters Gemahlin, der das Wortgefecht zwischen diesem und ihrer herrschsüchtigen Mutter in Ernsts Gegenwart außerordentlich peinlich gewesen war, benutzte den Abschluß desselben, die Unterhaltung auf einen anderen Gegenstand zu lenken, was ihr auch unschwer gelang. Bald darauf erhob man sich vom Tische, und nach einem kurzen Verweilen noch empfahl sich Ernst.
Er ritt nach der Burg Stolzeneck, traf aber hier Herrn Albrecht von Erlickheim nicht zu Hause und erfuhr, daß dieser auch morgen noch nicht zurück sein würde und daher an der Zusammenkunft auf der Mittelburg nicht teilnehmen könnte. Ernst machte sich ohne Verzug auf den Heimweg und war gegen Abend wieder auf der väterlichen Burg, sehr befriedigt von dem Verlauf dieses Tages.
Als er seinem Vater von dem, was er ausgerichtet hatte, Mitteilung machte, sah Frau Katharina die Reiherfedern am Hute des Sohnes und frug nach deren Herkunft. Da erzählte er seine Begegnung mit den drei Fräulein in Frau Julianens verpfändetem Walde; doch von seiner Befreiung Sidoniens aus der Buchenkrone sagte er natürlich kein Wort.
»Einen Reiher in der Brutzeit geschossen und noch dazu in unserem Wildbann!?« äußerte sich Bligger sehr erstaunt, »das ist ja wider alles Waidrecht!«
»Das hielt ich ihnen auch vor,« sprach Ernst.
»Nun, und was sagten sie dagegen zu ihrer Entschuldigung?«
»Fräulein Richilde sagte, wir sollten ihnen doch den Wald wieder herausgeben, sie wollten ihn gern einlösen, denn das wäre schon längst ein Lieblingswunsch ihrer Mutter,« erwiderte Ernst.
»So, so! den Wald wieder einlösen – ein Lieblingswunsch Julianens,« wiederholte Bligger und warf seiner Frau einen bedeutungsvollen Blick zu.
»Ließe sich denn das nicht ins Werk richten, Vater, damit der Zwist endlich in Frieden beigelegt wird?« brachte Ernst bescheiden hervor.